Neue Werkhalle der Diakonie schafft weitere Arbeitsplätze

Es ist geschafft. Das Diakonische Werk Freiberg kann am kommenden Dienstag innerhalb der Freiberger Werkstätten „Friedrich von Bodelschwingh“ an der Hainichener Straße eine neue Werkhalle in Betrieb nehmen. Darin finden 60 behinderte Menschen einen modernen, hellen und freundlichen Arbeitsplatz. Sie arbeiteten bislang in den schnell eng gewordenen, 1997 eingeweihten Werkstätten und in einer Außenstelle an der Olbernhauer Straße. „Mit der Einweihung der neuen Halle können wir wieder etwas Platz für alle schaffen und somit auch die Arbeitsbedingungen verbessern“, ist der Geschäftsführer des Diakonischen Werkes Freiberg, Roland Liebschner zufrieden.

 

Die neue Halle umfasst eine Grundfläche von rund 1600 Quadratmetern. Baubeginn war vor genau einem Jahr. Die Kosten betragen rund 2,5 Millionen Euro, wobei 70 Prozent von der Sächsischen Aufbaubank, zehn Prozent vom Landkreis Mittelsachsen und fünf Prozent von der Aktion Mensch gefördert werden.

In die Halle ziehen Arbeitsgruppen der Industriemontage, die Garten- und Landschaftsbaugruppe und der Berufsbildungsbereich ein. Der Bereich Industriemontage nimmt den größten Platz und es wurden optimale logistische Bedingungen für den LKW-Verkehr geschaffen. Im Berufsbildungsbereich werden die neuen Mitarbeiter in zwei Jahren nach einem festen, modular strukturierten Lehrplan ausgebildet und erhalten so fachtheoretische und praktische Kenntnisse, die sie für ihre Arbeit in der Werkstatt, aber auch für das tägliche Leben benötigen. Zu letzteren gehören auch Kochen, Waschen und Bügeln. Im neuen Gebäude gibt es außerdem einen großen und schön gestalteten Speiseraum, eine moderne Ausgabeküche, Verwaltungs-, Sozial- und Lagerräume. Das Essen für die hier tätigen Mitarbeiter wird in der Hauptküche gekocht. „Damit haben wir einen kompletten und nahezu eigenständigen Betrieb einrichten können“, ergänzt Werkstattleiter Andreas Paetzold.

 

In den Freiberger Werkstätten wird derzeit über 270 geistig behinderten und chronisch psychisch kranken Menschen in 23 Arbeitsgruppen mit einer der Art ihrer Behinderung angepassten Arbeit die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglicht. Die täglichen Aufgaben, die in der Werkstatt zu erledigen sind, verbunden mit der Forderung nach Stetigkeit, Pünktlichkeit und Genauigkeit, vermitteln den behinderten Menschen einen Lebensinhalt. Besucher sind immer wieder von der Herzlichkeit und der Fröhlichkeit der behinderten Mitarbeiter überrascht, die in dieser Weise nur selten anzutreffen sind. Es ist ihre Werkstatt, in der sie arbeiten und dafür gibt es auch einen Lohn. Ganz besonders groß ist die Freude in diesen Tagen bei den Mitarbeitern, die nunmehr in der neuen Halle arbeiten dürfen. Sie sind stolz darauf und zeigen schon mal ihren Kollegen den neuen Arbeitsplatz. Für die interessierte Öffentlichkeit ist der Tag der offenen Tür am 6. November eine gute Gelegenheit, sich über die Arbeit der Freiberger Werkstätten zu informieren.

 

Werkstätten seit 40 Jahren

Die Geburtsstunde der Freiberger Werkstätten geht in das Jahr 1970 zurück. Damals entstand eine Arbeitstherapie für behinderte Menschen im Kretzschmarstift. Sechs Bewohner waren es zu Beginn. Die ersten Auftraggeber ließen hier Kabelbäume fertigen, Kartonagen zusammenfalten und Spritzgussteile trennen. Heute hat sich das Leistungsangebot wesentlich erweitert. Es gibt eine Metall- und eine Holzwerkstatt, eine Druckerei, den Bereich Industriemontage, die Garten- und Landschaftspflege sowie Arbeitsplätze in der Küche.

 

Werkstätten als Wirtschaftsfaktor

Die Werkstatt hat sich zu einem zuverlässigen Partner vieler in der Region ansässiger Unternehmen entwickelt und ist nun mit dem neuen Gebäude in der Lage, diese Position auch im Sinne des Wirtschaftsstandortes Mittelsachsen wirksam auszubauen und die Zusammenarbeit mit der Industrie zu forcieren. (PEH)

 

 

Quelle: Freie Presse, Ausgabe Freiberger Zeitung, 28.08.2010