Initialzündung für die Nach-Erdöl-Zeit

Das DBI Bergakademie ist gestern auf der "Reichen Zeche" gegründet worden. Die neue Kohleforschung startete mit einem Knaller.

 

FREIBERG. In Sachen Kohleforschung lässt die TU Bergakademie Freiberg nichts anbrennen - außer anderthalb Kilogramm Kohlestaub. Der so erzeugte Feuerball demonstrierte gestern bei der Gründung des DBI Bergakademie auf der "Reichen Zeche"

effektvoll, wie viel Energie in dem Bodenschatz steckt. Die Initialzündung für das nationale Zentrum für Energierohstoffe war zugleich ein Höhepunkt des 62. Berg- und Hüttenmännischen Tages. Das neue Institutsgebäude selbst steht erst im Rohbau. Der 7-Millionen-Euro-Komplex soll auf drei Etagen und im Kellergeschoss in Summe 1400 Quadratmeter Nutzfläche für Büros, Lager, zwei Besprechungsräume, einen Seminarraum, einen PC-Pool und fünf Labore bieten.

"Kohle ist viel zu schade fürs Verbrennen", erklärte TU-Rektor Bernd Meyer. Statt zur Stromerzeugung im Kraftwerk sollte der Bodenschatz stärker für die Chemieindustrie und vor allem kohlendioxidärmer genutzt werden, so der Professor. Das DBI Bergakademie

werde an die Traditionen des Deutschen Brennstoffinstituts anknüpfen, dessen Wurzeln bis 1924 zurückreichen. Die im damaligen DBI entwickelten Technologien seien in der DDR mit Erfolg, aber auch mit hohen Umweltbelastungen eingesetzt worden, sagte der Rektor: "Wir sind froh, dass wir heute über moderne Verfahren verfügen. Diese weiterzuentwickeln sei Aufgabe des neuen Instituts, in dem laut Meyer zwölf Wissenschaftsbereiche der Bergakademie zusammenarbeiten. So sollen in das Gebäude die Mitarbeiter des Deutschen Energie-Rohstoff-Zentrums (DER) und des "Virtuhcon" (Virtuelle Hochtemperatur-Konversionsprozesse) einziehen, die derzeit noch in Bürocontainern gleich neben der Baustelle tätig sind. Einen Teil der 54 Büroarbeitsplätze wird auch das Institut für Verfahrenstechnik nutzen.

In den nächsten zehn bis 20 Jahren werde sich entscheiden, "ob wir den Klimawandel, den Verlust an Biodiversität und den Rohstoffmangel meistern", gab Georg Schütte vom Bundesforschungsministerium gestern die Marschrichtung für das Nach-Erdöl- Zeitalter vor. Sein Haus richte seine Forschungsagenda verstärkt auf die Energiewende und langfristig nachhaltige Strukturen aus, erklärte der Staatssekretär.

Das zeigt sich auch in Freiberg; so wird das "Virtuhcon" nach den Worten von Referentin Ute Bernhardt mit 15 Millionen Euro unterstützt. Für das DER seien 36 Millionen Euro Fördermittel bewilligt. Letzteres wurde gestern auch als Preisträger im Wettbewerb "365 Orte im Land der Ideen" prämiert. Freiberg etabliere sich als Zentrum der Kohleforschung in Deutschland und darüber hinaus, zeigte sich Stadtoberhaupt Bernd-Erwin Schramm (parteilos) stolz. Angesichts der Parallelen zwischen dem DBI und dem Forschungsinstitut für Aufbereitung (FIA) - beide waren nach der Wende abgewickelt worden und entstehen jetzt als DBI Bergakademie und als Helmholtz-Institut für Ressourcentechnologie wieder - fühlten die Freiberger auch Genugtuung, so Schramm.

(Steffen Jankowski)

 

Quelle: Freie Presse, Ausgabe Freiberger Zeitung, 17.06.2011