„... immer 1. Klasse“ und Klassenbester noch dazu

In Ehrenfriedersdorf herrscht Hoch-Zeit. Die Produktion von Papp Ostereiern läuft auf Hochtouren. Parallel dazu gehen erste Schultüten für den Schulstart 2012 in Deutschland und Österreich vom Band. Für Wochen überschneiden sich die beiden Produktionslinien. Für Ursula Nestler, Geschäftsführerin der Nestler GmbH Feinkartonagen, ist das zu Jahresbeginn ein vertrautes Bild. Sie beruhigt. „Wir sind ein eingespieltes Team, das klappt schon.“ Munter plaudert Ursula Nestler über ihr Unternehmen. Sie ist Verkäuferin, Vertriebsmensch und Netzwerker mit Leib und Seele – Eigenschaften der Chefin, die die Produkte der Feinkartonagen der Nestler GmbH in den letzten zwei Jahrzehnten in die Welt getragen haben. Beherzt hatte die Unternehmerin 1990 den einst elterlichen Betrieb aus dem DDR-Volkseigentum übernommen. 1894 hatte Carl August Nestler in Wiesa aus einem Bauernhof heraus eine Fabrik für Feinkartonagen gegründet und neben Spielbällen und Jojos bald auch Schultüten und Papp-Ostereier hergestellt. Ein Betrieb zur Drahtverarbeitung kam noch hinzu.

Längst steht in Ehrenfriedersdorf eine moderne Fabrik. „Wir sind zwar immer noch eine Manufaktur, aber eine, die modernste Technik nutzt“, macht Ursula Nestler einen Jahrhundertsprung in der Firmengeschichte. Etwa vier Millionen Euro setzte die Manufaktur im letzten Jahr mit Feinkartonagen um. 70 Mitarbeiter kümmern sich um die Anforderungen der Kunden, um die Fertigung, den Kundenservice, die Produktpalette und um die Qualität. Design und Trends der Feinkartonagen bestimmen dabei maßgeblich, wohin sich das Unternehmen entwickelt.

Das Gespür dafür brachte Ursula Nestler mit. Zu DDR-Zeiten war sie in der Modebranche unterwegs. Sie übertrug ihre Design- und Mode-Ideen nach 1990 auf die Feinkartonagen. Sie fuhr gut damit und zog bei den großen Branchenmessen in Mailand, Atlanta, Birmingham das Interesse auf die erzgebirgischen Produkte. „Um Kunden für ein Massenprodukt zu finden, muss ein Unternehmen einfach auf solchen internationalen Messen vertreten sein.“ Für sie seien Messen „selbst im Zeitalter des Internets beste Treffpunkte, um miteinander ins Gespräch zu kommen.“ Und weil Ursula Nestler in diesem bleiben will, „werden wir uns breiter um das Thema Schulanfang aufstellen“, sagt sie. Neben Hausaufgabenheften werden künftig Schleifen für die Schultüten ins Sortiment aufgenommen und manche andere Kleinigkeit für den Schulanfänger dazu. Im Internet hat man für Privatkunden einen Shop eingerichtet. „Wir werden sehen, wie es unsere Großkunden künftig mit diesem Thema halten. Ich denke da praktisch und bin pragmatisch. So eben, wie wir es seit Jahren bei uns halten.“

Zu diesem Pragmatismus gehört, dass die Nestler GmbH Feinkartonagen von Gründung an die Fördermöglichkeiten nutzt, die der Freistaat Sachsen über die Jahre dem Unternehmen angeboten hat. „Wir hatten ja, als wir hier anfingen, faktisch nur unseren Trabi“, spricht Ursula Nestler sinnbildlich für viele Ost-Unternehmen zu Beginn der 1990er Jahre. „Die Investitionsförderungen, die es in unterschiedlichen Formen bis heute gibt, waren und sind gerade für Unternehmer im Osten sinnvoll, um überhaupt etwas auf die Beine zu stellen. Wir hätten jedenfalls ohne eine solche Förderung unsere moderne Manufaktur 1998 nicht einweihen können.“ Die Ehrenfriedersdorfer hätten die großen internationalen Messen gar nicht aus eigener Kraft stemmen können. „Ohne Förderung wäre für uns eine Exportquote wie wir sie heute haben, überhaupt nicht möglich geworden.“ Ursula Nestler rückblickend: „Wir haben die einzelnen Förderprogramme genutzt, um uns bekannt zu machen, Märkte zu erschließen und um die Ansprüche unserer Kunden zu erfüllen.“ Nur so könne die Nestler GmbH Feinkartonagen auch heute noch von sich behaupten „... immer 1. Klasse“ zu sein.

 

Der Coup wurde zum Clou – Kurzinterview mit Ursula Nestler

 

Frau Nestler, 1991 fädelten Sie einen besonderen Coup für Ihr Unternehmen ein. Was haben Sie gemacht?

Ich habe damals an Walt Disney einen Brief geschrieben und angefragt, ob wir im Erzgebirge nicht die bekannten Figuren und Designs auf unsere Zuckertüten drucken dürfen.

Wie hat Walt Disney reagiert?

Erst einmal gar nicht. Zur Erinnerung: Zu dieser Zeit brachen im Osten Deutschlands, auch in Sachsen, Betriebe zuhauf zusammen, kehrten die Neubundesbürger ihren alten Produkten und Herstellern gerade den Rücken. Der Disney-Brief war Teil unseres Bemühens, mit unserem Angebot und Können westwärts Fuß zu fassen, Kunden und Partner zu finden. Das ist uns gelungen. Viele Partner von damals sind uns bis heute verbunden. Auch Walt Disney. Die Deutschlandvertretung meldete sich 1995 bei uns.

Warum war und ist das so wichtig für Ihr Unternehmen?

Wir dürfen als Lizenznehmer die Disney-Motive auf unsere Produkte drucken. Auf die Schultüten, aber auch auf Hausaufgabenhefte und Ostereier. Wir dealen seit Anbeginn mit den Großen. Das meine ich nicht überheblich. Denn wir müssen uns an den Anforderungen messen, die diese Partner an uns stellen. Mit diesen sind wir gewachsen. Das macht uns selbstbewusst und stolz.

 

Kontakt:

Geschäftsführende Gesellschafterin:

Ursula Nestler

Nestler GmbH Feinkartonagen

Gewerbegebiet an der B 95 Nr. 14

09427 Ehrenfriedersdorf

Tel: 037341 1891-0

Fax: 037341 1891-24

info@nestler-gmbh.de

www.nestler-gmbh.de

 

 

Quelle: SAB Förderbericht 2011