Henka schult weit gereiste Gäste

Die Firma aus Rittersgrün richtet an einer Hochschule in El Salvador im Mai ein CNC-Kompetenzzentrum ein. Einige der später dort arbeitenden einheimischen Ausbilder absolvieren einen Lehrgang in Deutschland.

VON FRANK NESTLER

RITTERSGRÜN - Die Henka Werkzeuge und Werkzeugmaschinen GmbH Rittersgrün ist auf dem Sprung über den Atlantik. Das künftige CNC-Kompetenzzentrum einer Technischen Hochschule in der Hauptstadt von El Salvador in Zentralamerika wird die Handschrift von Henka tragen. Die Erzgebirger statten die Einrichtung mit Maschinen und Lehrsystemen aus Deutschland, Österreich und den USA, mit Werkzeugen aus Deutschland und Schweden aus. Auch das Schulen der Ausbilder ist mit im Programm. Außerdem eröffnet Henka mit einem österreichischen Maschinenhersteller ein Konsultationszentrum in San Salvador.

Vier der künftigen Ausbilder aus El Salvador kamen jetzt über den großen Teich, um sich in Rittersgrün und in Chemnitz theoretisches und praktisches Rüstzeug zu holen. "Abstecher" in moderne Fertigungsbetriebe in Chemnitz und zu einer Spezialfirma in Österreich runden das dicht gefüllte Programm ab, das kaum Zeit für touristische Aspekte lässt. Henka-Geschäftsführer Bernd Hentschel: "Die Leute sind wissbegierig, haben Nachholbedarf. Wir versuchen, sie alle in etwa auf gleiches Niveau zu bringen. Vor Ort an der Hochschule aber muss und wird die Schulung noch weitergehen."

Hentschel will im Mai selbst wieder nach Amerika fliegen. "Ehe ich in San Salvador das CNC-Zentrum besuche, bin ich aber erst mal in Guatemala. Auch dort könnten sich Geschäftsbeziehungen anbahnen. Voriges Jahr haben wir bereits erste Kontakte in Honduras geknüpft."

Neben dem Ausrüsten von leistungsstarken Maschinenbaufirmen konzentriert sich Henka seit einigen Jahren auch auf das Ausstatten von Bildungseinrichtungen, hauptsächlich Berufs-, Fach- und Hochschulen. War das Unternehmen da bisher vor allem in den neuen Bundesländern aktiv, haben die Erzgebirger den Fuß nun auch international in der Tür. Der jetzige Auftrag - ein Entwicklungshilfeprojekt im Umfang von 400.000 Euro - geht auf die Vermittlung von Klaus Schmidt zurück. Der Chemnitzer, vor Jahren bei ABS Aue beruflich engagiert, ist für die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH tätig. Diese wiederum wirkt im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Schmidt, unter anderem als akademischer Berater in El Salvador aktiv, suchte für das dortige Ausstattungsprojekt einen kompetenten und zuverlässigen Partner - und fand ihn in Rittersgrün.

"Natürlich ist das Ganze für uns eine völlig neue Herausforderung. Aber mit Ideen, Erfahrung und Einsatzbereitschaft meistern wir die Sache", sagt Hentschel, der zu den vom Landrat ernannten Botschaftern des Erzgebirges gehört. Insofern wird man demnächst also auch in El Salvador etwas mehr mit dem Begriff Erzgebirge anfangen können.

 

 

Quelle: Freie Presse, Ausgabe Schwarzenberger Zeitung, 06.04.2011