Großer Schritt zum Welterbe Erzgebirge

23 Bürgermeister sowie Landräte stimmen für Bewerbung

 

 

Von Samira Sachse

 

 

Annaberg-Buchholz. Das Erzgebirge hat im Ringen um den Unesco-Weltkulturerbe-Titel für die "Montanregion Erzgebirge" einen wichtigen Meilenstein gesetzt. Erstmals haben sich 23 Bürgermeister sowie die Landräte von Mittelsachsen und dem Erzgebirgskreis einstimmig für die Antragstellung ausgesprochen. "Damit stehen schon zwei Drittel aller derzeit infrage kommenden sächsischen Orte hinter dem Plan", sagte Matthias Lißke, Chef der Wirtschaftsförderung Erzgebirge GmbH, die fürs Marketing des Projektes, an dem auch tschechische Orte teilnehmen, zuständig ist. Nun werden die nächsten Etappen auf den Weg zur Unesco-Bewerbung in Angriff genommen. Dazu gehört die Gründung eines Welterbe-Konvents. "Ende 2010 soll der Zusammenschluss aller Kommunen und Kreise mit potenziellen Welterbe-Stätten stehen", so Lißke.

 

 

Parallel werden von Helmuth Albrecht - der Direktor des Instituts für Industriearchäologie der TUBergakademie Freiberg gilt als Motor des Welterbe-Vorhabens - die Vorstudien in den Kommunen vorangetrieben. Derzeit ist von 36 sächsischen Gemeinden mit 34 Welterbe-Stätten, wie etwa historische Altstädte, die Rede. Die Mannschaft von Albrecht untersucht in jedem Ort, der Welterbe einbringen will, die konkrete Lage samt Infrastruktur und bewertet sie. Am Ende entscheiden die Volksvertreter der Kommune, ob der Ort weiter an der Bewerbung mitwirkt.

 

 

 

Laut Wirtschaftsförderer Lißke stehen die möglichen Welterbe-Stätten, die aus 20.000 Denkmälern in der Region ausgewählt wurden, für alle Facetten der Montanregion Erzgebirge. "Wir haben Schaubergwerke und Hüttenbetriebe, Bergstädte, Kulturorte und zum Beispiel geologische Sehenswürdigkeiten auf der Liste", erklärt Lißke. Grundbedingung für alle ist, dass bereits ein nationaler Schutzstatus besteht, also Denkmal- oder etwa Naturschutz.

 

 

 

Albrecht sieht nach dem Votum der Bürgermeister und Landräte den Freistaat unter Zugzwang: "Die Region selbst trägt das Projekt und es ist keine Behinderung regionaler Entwicklung zu befürchten. Damit sind die Bedingungen des Freistaates erfüllt." Benötigt werde nun Landeshilfe. In den nächsten drei Jahren sind für die Bewerbung 1,3 Millionen Euro nötig. Geld, das für Werbung und Aufklärung nötig ist, aber auch für ein Welterbe-Büro, das Anfang 2011 in Annaberg-Buchholz eröffnet werden soll. Bisher halfen vor allem Sponsoren und der Förderverein Montanregion Erzgebirge. Laut Albrecht stecken bereits 300.000 Euro in dem Projekt, dass der Freistaat 1998 selbst angeschoben und dann "vergessen" hatte.

 

 

 

Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU) äußerte sich gestern zurückhaltend. Er bewundere das leidenschaftliche Engagement für die Bewerbung, sagte er. Es müsse aber gewährleistet sein, dass die wirtschaftliche Entwicklung des Erzgebirges, insbesondere künftiger Erzabbau, nicht gefährdet werde.

 

 

 

 

Quelle: Freie Presse, Ausgabe Annaberger Zeitung, 24.09.2010