Gardinen sind wieder in Mode

Während Osteuropäer bei Haus- und Heimtextilien traditionelle Gestaltung bevorzugen, wählen westeuropäische Verbraucher zunehmend modernes Design. Die Produzenten haben sich darauf eingestellt und zeigen ihre Neuentwicklungen zur internationalen Fach

VON RAMONA NAGEL

FRANKFURT (MAIN) - Der Stand der Stickperle Falkenstein ist üppig dekoriert. Dabei wechseln sich Gardinen und Deckchen mit traditioneller Verzierung und solche mit modernem Design ab. "Modernes Design hat bei Decken und Deckchen mittlerweile einen Anteil von etwa 50 Prozent", sagt Geschäftsführerin Cordula Bauer.

Es wird hauptsächlich nach Westeuropa verkauft. Dagegen bevorzugen Kunden in Osteuropa und Russland traditionelle und üppige Verzierungen. Rund 20 Prozent der Produktion gehen in den Export. Doch insgesamt stagniert laut Bauer das Geschäft mit Heimtextilien. "Wir fertigen ein Produkt, das lebenslang hält. Außerdem nimmt die Zahl der Liebhaber mit Interesse für textile Kunst ab", sagt die Chefin von 27 Mitarbeitern.

Die Stickperle entwickelt deshalb technische Textilien als zweites Standbein und gehört zu den Partnern des Förderprojekts High-stick. Textilfirmen tüfteln dabei gemeinsam mit Forschungsinstituten an Einsatzmöglichkeiten des Stickens für die Herstellung von technischen Textilien. Der erste Förderzyklus ist bereits abgeschlossen, und Bauer hofft, dass sich dessen Ergebnisse in der Firma bald wirtschaftlich auswirken. Mittlerweile läuft mit Highstick plus die Fortsetzung. Noch im ersten Quartal entscheidet das Bundesministerium für Bildung und Forschung über die Förderung.

Kunden in Osteuropa mit Sinn für traditionelles Design bedient auch die Firma Stickereien und Textilien aus Plauen. Rund 15 Prozent der Produktion werden nach Europa, Russland, Kasachstan, Usbekistan, die USA und Mexiko exportiert.

 

"Der Trend geht zu weißen Fensterdekorationen in edlen Qualitäten."

Michael Hauffe, Prokurist Stickperle Falkenstein

"Der Trend geht zu weißen Fensterdekorationen in edlen Qualitäten, wir zeigen deshalb zur Heimtextil als Hingucker hochwertige Applikationsgardinen in diesem Farbton", sagte Prokurist Michael Hauffe. Die plastisch hervortretenden Stickdessins entstehen durch wasserlöslichen Vlies, der wieder ausgewaschen wird. Das Unternehmen mit 26 Mitarbeitern ist auf den Versandhandel spezialisiert und übernimmt dabei alles, von der Auftragsannahme per Datenfernübertragung bis zum Direktversand im Namen des Auftraggebers an den Endverbraucher. Die Insolvenz des Versandhauses Quelle haben die Vogtländer sehr gespürt. Doch der einstige Quelle-Anteil von etwa 15 Prozent sei größtenteils kompensiert worden. Denn viele Kunden seien zu anderen Versendern gewechselt und damit dieser Einkaufsform treu geblieben.

 

Vorrangig an den Fachhandel liefert dagegen der Damastspezialist Curt Bauer. Das Unternehmen aus Aue präsentiert sich zur Messe wie in den Vorjahren im Bereich der exklusiven Heimtextilien. Bereits wenige Stunden nach der Eröffnung war der Stand sehr gut besucht. "Wir hatten heute neue Kunden aus Rumänien, außerdem aus Russland, China, Österreich und natürlich Deutschland", sagt Michael Bauer, der gemeinsam mit seinem Bruder Gerd das Unternehmen führt. Während viele Produzenten die Messe größtenteils für die Kundenpflege nutzen, steht für Bauer die Gewinnung von Neukunden klar im Vordergrund. Mit der Messe startet das 120 Mitarbeiter und elf Auszubildende zählende Unternehmen zugleich seine neue Präsentation. "Wir haben uns dem Zeitgeist angepasst", meinte Bauer. Dabei wurden die Kollektionen von Tisch- und Bettwäsche modernisiert und neu strukturiert. Ziel ist es, damit neben den Fans von Damast-Erzeugnissen neue Käufer zu gewinnen.

Völlig neu ist beispielsweise eine Bettwäsche aus Halbleinen. Eigens dafür hat Curt Bauer ein Verfahren entwickelt, mit dem das Leinen pflegeleicht wird. Neben den Damast-Erzeugnissen einschließlich umfangreicher Komplettierungen wie Plaids (Überwurf) und Frottierware für die Bettwäsche sowie Servietten oder Brötchenbehältnissen bei Tischwäsche werden Bekleidungsdamast sowie technische Textilien produziert.

Wohntextilien sind bei den Deutschen wieder sehr gefragt. 2011 wuchs der Inlandsumsatz der Branche um mehr als vier Prozent. Nach Einschätzung von Marktforschern wird das anhalten. "Die Deutschen werden im laufenden Jahr voraussichtlich 242 Euro pro Haushalt in Wohntextilien investieren", sagte Detlef Braun, Geschäftsführer der Messe Frankfurt. Das seien 20 Euro mehr als 2010 und mehr als die Investitionen in elektronische Geräte wie TV oder HiFi. Auf der Heimtextil präsentieren sich bis 14. Januar 2634 Aussteller aus 61 Ländern, davon 22 aus Sachsen. Im vergangenen Jahr waren es 2572. "Der Zuwachs sorgt im zweiten Jahr in Folge für einen Wachstumsschub und unterstreicht die Bedeutung als weltweite Leitmesse für Wohn- und Objekttextilien", sagte Braun.

 

 

Quelle: Freie Presse, Ausgabe Annaberger Zeitung, 12.01.2012