Ganz kleiner Partner im großen Gefüge

Sieben Tage auf Taiwan. In der Partnerkommune im Südpazifik hat die Vertreter des Erzgebirgskreises speziell die Gier nach Wissen beeindruckt.

VON THOMAS SCHMIDT

ANNABERG-BUCHHOLZ - Der Besuch in Kaohsiung hat bei der Delegation des Erzgebirgskreises bleibende Eindrücke hinterlassen. Mit sechs Kreisräten, einem Vertreter der Wirtschaftsförderung und einer Angestellten weilte Landrat Frank Vogel (CDU) vom 23. bis 30. Oktober auf Taiwan. Jetzt, kurz nach der Rückkehr aus dem Südpazifik, haben sich die Erlebnisse gesetzt. Mit politischen Empfängen, Besichtigungen von Firmen und Schulen, Ausflügen in den Nationalpark und zu Kulturstätten war das Programm der Deutschen vollgepfropft. "Wir waren täglich um die zwölf Stunden auf Achse. Aber das hat sich auch gelohnt", so Vogel gestern.

Gegenbesuch wohl 2013

Die Partnerschaft mit den Taiwanern ist 1993 vom Altkreis Annaberg geschlossen worden, der Erzgebirgskreis führt sie weiter. Deshalb war das Kreisoberhaupt der Einladung von Oberbürgermeisterin Chén Jú - "Herrscherin" über rund 2,7 Millionen Menschen und mehrere tausend Verwaltungsbeschäftigte - gefolgt. Nach den etwa 11.000 Kilometern Rückflug meinte er: "Mentalität, Sauberkeit und Höflichkeit der Taiwaner sind faszinierend." Für 2013, wenn die Partnerschaft ins 20. Jahr geht, hat er eine Einladung zum Gegenbesuch ausgesprochen. Beeindruckt haben ihn auch die Gier nach Wissen und das dazugehörige Bildungssystem. "Wir waren in einem Komplex, den 8000 Schüler besuchen. Der Unterricht dauert von 8 bis 17 Uhr. Rund 25 Prozent der Mädchen und Jungs lernen zudem Deutsch, weil sie hier mal studieren wollen", klärt Vogel auf. Und ein "Mitbringsel" sei das Hoffen der Taiwaner auf Kontakte zu einer deutschen Schule. "Das ist eine Botschaft, die ich jetzt weitertrage. Vielleicht entwickelt sich ja ein Austausch", sagte der Landrat.

 

Wirtschaftlich hingegen sieht er kaum Möglichkeiten, etwas anzukurbeln. Entfernung und Kosten seien für Mittelständler kaum zu stemmen - "da muss man Realist sein". Unter den 250 Firmen der Bundesrepublik und 800 Deutschen, die auf Taiwan leben, sind Sachsen sowieso schwach vertreten. Dennoch sei vereinbart worden, mehr Wirtschaftsnachrichten auszutauschen. Vielleicht bieten Reisen eine Chance: "Wir werden zur ITB im März in Berlin Kontakt zu Veranstaltern aufnehmen, die wir jetzt gezielt ansprechen. Im Tourismusbereich entwickelt sich Taiwan zusehends."

Eine nicht vergleichbare Welt

Tempel, Atomkraftwerk im Nationalpark, das Südchinesische Meer, "kiloweise Visitenkarten" und der T 101, das höchste Gebäude Taipehs, bleiben ebenso in Erinnerung wie der Zugexpress zwischen der Hauptstadt und Kaohsiung, die Busfahrt an die Südspitze, das in der 67. Etage gelegene Hotelzimmer, einer der zehn bedeutendsten Häfen der Welt, tausende Mopeds und ein 14-stöckiger Verwaltungstrakt, der dem Pentagon ähnelt. "Diese Welt ist mit unserem Kreis nicht vergleichbar, nicht nur wegen der fast zehnfachen Einwohnerzahl", sagt Vogel unumwunden. "Wir sind ein ganz kleiner Partner in einem großen Gefüge", ergänzt er. "Doch dieses Pflänzchen sollten wir aufrechterhalten."

 

 

Quelle: Freie Presse, Ausgabe Annaberger Zeitung, 03.11.2011