Freiberger forschen am Halbleiter der Zukunft

Mit knapp einer Million Euro wird ein Projekt zur Galiumnitrid-Produktion gefördert. Die Elektronikbranche setzt große Hoffnungen in das Material.

VON STEFFEN JANKOWSKI

FREIBERG/DRESDEN - Für die Freiberger Compound Materials GmbH (FCM) und das Fraunhofer Technologiezentrum Halbleitermaterialien (THM) schlägt heute in Dresden eine große Stunde. Am frühen Nachmittag übergibt ihnen Sachsens Wissenschaftsministerin Sabine von Schorlemer (parteilos) den Fördermittelbescheid für ein gemeinsames Forschungsprojekt zur effektiveren Herstellung des Halbleitermaterials Galliumnitrid (GaN). Mit rund 950.000 Euro unterstützen der Europäische Fonds für regionale Entwicklung und der Freistaat Sachsen die Arbeiten, um die Unabhängigkeit von außereuropäischen Herstellern zu sichern.

"Galiumnitrid hat Vorteile in der energieeffizienten Leistungs- und in der Optoelektronik", erläutert Jochen Friedrich vom THM. So könnten mit dem Material blaue und weiße Leuchtdioden hergestellt werden, die unter anderem in Blu-Ray-Geräten eingesetzt werden, nennt der Chef des 17-köpfigen Forscherteams im Freiberger Gewerbegebiet Süd ein Beispiel. "Herkömmliche CD-Spieler arbeiten mit rotem Laser. Durch die kürzere Wellenlänge bei blauen Strahlen kann die Datendichte wesentlich erhöht werden", verdeutlicht Friedrich.

Allerdings sei die Herstellung von Galiumnitrid derzeit noch nicht effektiv genug: "Ein großer Teil der Ausgangsstoffe reagiert nicht oder setzt sich an den falschen Stellen ab." Die Firma FCM sei ein Weltmarktführer bei der Produktion von Galiumarsenid - dem Stoff für die roten Leuchtdioden - und forsche bereits seit Jahren an dem Schwesterprodukt für die blauen Strahler.

Wie Jörg Weise vom Wissenschaftsministerium gestern informierte, wird das Projekt bis Juni 2014 gefördert. Es handelt sich um ein Forschungs- und Entwicklungsprojekt, das nicht eine bestimmte Zahl neuer Jobs gebunden sei, sagte der Referent: "Dennoch entstehen in den Unternehmen bei erfolgreicher Umsetzung der Ergebnisse nach Projektabschluss auch neue Arbeitsplätze." FCM hat derzeit eigenen Angaben zufolge rund 250 Mitarbeiter.

 

Quelle: Freie Presse, Ausgabe Freiberger Zeitung, 28.11.2011