Firma Henka entdeckt Amerika und expandiert in Sachsen

Der Werkzeug- und Maschinenanbieter aus Rittersgrün hat in El Salvador Fuß gefasst. Nun investiert das mittelständische Unternehmen in Stollberg.

VON SAMIRA SACHSE

RITTERSGRÜN - Für Bernd Hentschel ist die erste Etappe in Richtung zentralamerikanischer Markt gemeistert. Der geschäftsführende Gesellschafter der Firma Henka, eines mittelständischen Werkzeug- und Maschinenanbieters und -händlers aus dem erzgebirgischen Rittersgrün hat im vorigen Monat das erste Henka-Ausbildungszentrum in El Salvador fertig gestellt. Es befindet sich an der Technischen Hochschule in San Salvador und gilt als modernstes seiner Art in dem Entwicklungsland. In der Spezialwerkstatt werden angehende Ingenieure fit gemacht für den Umgang mit CNC-Technik. Unterstützt wurde das Geschäft von der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit im Auftrag des Bundes. Henka war ins Visier der Experten, darunter Ingenieur Klaus Schmidt aus Chemnitz, geraten, nachdem zwei Weltfirmen aus Deutschland und Österreich beim Wettbewerb um den 430.000-Euro-Auftrag ausgeschieden waren.

Fünf Exportvorhaben in Arbeit

Für Hentschel hat sich der Aufwand mehr als gelohnt. Während seiner drei Geschäftsreisen nach Zentralamerika öffneten sich die Türen der nächsten potenziellen Kunden. Der 66-Jährige berichtet von einem Folgeauftrag in El Salvador. Universitäten in Guatemala und Peru seien interessiert und es gebe vielversprechende Kontakte in Honduras. "Wir haben aktuell fünf weitere Exportvorhaben in Bearbeitung, bleibt abzuwarten, was zum Auftrag führt", so Hentschel.

Neben der Einrichtung großer Ausbildungskomplexe schulen die Erzgebirger die künftigen Dozenten. Hentschel spricht von einem "Komplettpaket" und von "Hilfe zur Selbsthilfe". "In den Fabriken der mittelamerikanischen Länder stehen zum Teil hochmoderne Werkzeugmaschinen, die nicht selten in Deutschland und manchmal sogar in Sachsen eingekauft wurden", sagt Hentschel, "nur leider fehlen dort auf breiter Front die Fachleute, die die Technik auch bedienen können".

Nachdem die Firma Henka im 21. Jahr ihres Bestehens den Schritt auf internationales Parkett geschafft hat, soll auch daheim im Erzgebirge ein neues Kapitel geschrieben werden. Hentschel: "Wir haben in Rittersgrün die Wachstumsgrenze erreicht." Der Umsatz dürfte in diesem Jahr auf mehr als 13 Millionen Euro zulegen. Die Mannschaft von derzeit 33 Mitarbeitern soll peu á peu weiter aufgestockt werden. Räumlich sei eine Expansion dringend nötig. Hentschel: "Sonst stehen wir uns selbst im Weg". Weiterwachsen will Henka im rund 30 Autominuten entfernten Stollberg.

Neue Betriebsstätte an A 72

Der Bau einer neuen Betriebsstätte ist geplant. Der Komplex soll bereits Mitte 2013 fertig sein und rund 2,2 Millionen Euro kosten. Henka erwartet nach Inbetriebnahme des neuen Standortes neue Impulse für die Entwicklung der Firma, die als Spezialist für Zerspanungswerkzeuge gilt. Kapazitätsmäßig sei dann wieder alles machbar.

Entscheidend für die Investition sei die günstige Lage an der Autobahn. Dass seine Heimatgemeinde Breitenbrunn nicht begeistert ist, wenn ein Gewerbebetrieb wegzieht, kann der 2010 zum "Botschafter des Erzgebirges" ernannte Hentschel gut verstehen. "Aber wir bleiben ja im Landkreis", sagt er. In erster Linie sei er seinen Mitarbeitern und der Firma verpflichtet. "Bevor ich wirklich in den Ruhestand gehe, will ich die Weiche noch auf Wachstum stellen", sagt er über die Investition.

Bernd Hentschel

Unternehmer

 

 

Quelle: Freie Presse, Ausgabe Annaberger Zeitung, 25.10.2011