Firma bürgt seit 100 Jahren für Qualität

Paul und Ernst Ficker haben 1911 die heutige Gebrüder Ficker GmbH in Marienberg als Schlosserei gegründet. Mittlerweile bestimmt die industrielle Herstellung von Formen und Werkzeugen das Tagesgeschehen.

VON BABETTE ZAUMSEIL

MARIENBERG - Nach einem starken Umsatzeinbruch infolge der Finanzkrise läuft es in dem 100-jährigen Unternehmen wieder gut, es sei voll ausgelastet, sagt Geschäftsführerin Christine Dietze. In dem Gebäude im Gewerbegebiet Am Federnwerk werden Formen und Werkzeuge produziert und deutschlandweit ausgeliefert. Ihren Anfang nahm diese industrielle Ausrichtung im Jahr 1926, als Paul Ficker für die Herstellung eines Eierbechers aus Kunststoff ein Presswerkzeug entwickelte und damit in der Firma ein neues (Produktions-) Zeitalter einläutete.

 

"In 100 Jahren hatten wir 200 Lehrlinge."

Christine Dietze Firmenchefin

Die Erzgebirger liefern heute hauptsächlich an die Automobilindustrie, aber auch die Hausgeräte- und Verpackungsmittelindustrie, den Maschinenbau und die Medizintechnik, sagt Christine Dietze, die Enkelin von Paul Ficker. Gemeinsam mit ihrem Mann Roland leitet sie die 56-Mann-Firma. Ihre beiden Söhne sind Gesellschafter im Unternehmen, der ältere arbeitet dort in der Konstruktion, der jüngere an der TU in Chemnitz. Universität ist ein Stichwort, das Christine Dietze wichtig ist. "Wir arbeiten mit Unis und Fraunhofer-Instituten zusammen, haben Forschungsprojekte. Das bringt uns natürlich einen Vorteil in der Werkzeugfertigung." In dem Unternehmen werden Formen und Werkzeuge hergestellt, darunter Schneid- und Umformwerkzeuge, Mehrkomponentenwerkzeuge sowie Spitzgießformen. Die Kunden kommen zu 20 Prozent aus Sachsen, 10 Prozent sind aus dem Ausland, der Rest verteilt sich auf ganz Deutschland.

 

Eine wichtige Rolle spielt für die Marienberger Firma die Automobilindustrie. Im Zuge der Wirtschaftskrise, die diese besonders traf, musste das Unternehmen ebenfalls kämpfen. "Unser Umsatz ging um knapp die Hälfte zurück", erläutert Christine Dietze, die für die Finanzen zuständig ist. Es sei eine schwierige Zeit gewesen, in der die Firma Kurzarbeit in Anspruch nehmen musste. Dass sich die Mitarbeiterzahl verringerte, ist allerdings dem Umstand geschuldet, dass damals gerade vier junge Leute aus dem Unternehmen ein Studium begannen. "Und wenn es uns gut geht, können sie auch wieder zurückkommen", stellt die Wirtschaftsingenieurin in Aussicht. Überhaupt scheint die Treue zum Unternehmen unter der Belegschaft ausgeprägt. Viele junge Mitarbeiter, die ein Studium aufnähmen, kämen wieder. Dass Mitarbeiter 50 Jahre in der Firma beschäftigt sind, "ist keine Seltenheit". Auch deren Nachwuchs arbeite oft bei der Gebrüder Ficker GmbH. Unter den Lehrlingen fänden sich immer wieder welche, die aufgrund ihrer Leistungen Auszeichnungen erhielten.

Und ausgebildet wurde immer, hebt Christine Dietze hervor: "In 100 Jahren hatten wir 200 Lehrlinge." Eine besondere Zeit sei die Wende gewesen, erinnert sich die gelernte Industriekauffrau. "Es war eine Euphorie da, dieser Gedanke, dass wir etwas daraus machen müssen." Ihr Vater wollte den zwangsverstaatlichten Familienbetrieb wieder übernehmen, "komme, was da wolle". Das war zunächst nicht viel. "Wir haben mit null Mark auf dem Konto angefangen", sagt Christine Dietze. 2000 Prospekte verschickte das Unternehmen in ganz Deutschland, "und wir bekamen nicht eine Antwort". Dann habe ein früherer Lehrling die Firma aufgesucht. Er habe in seinem Unternehmen in Hessen das umgesetzt, was er in Marienberg lernte. Und er stellte Verbindungen her. "So konnten wir uns entwickeln. Die meisten Mitarbeiter sind uns treu geblieben."

Mittlerweile läuft es wieder gut bei der Gebrüder Ficker GmbH. Die Umsätze liegen nach dem großen Einbruch auf der Höhe von 2008, sagt Christine Dietze, ohne Zahlen zu nennen. Es werde jährlich in den Maschinenpark investiert, "und wir liefern gute Qualität. Aber das wird oft nicht sehr geschätzt", meint die Geschäftsführerin. Die Konkurrenz aus Fernost mache den Marienbergern zu schaffen, "aber wir sind nicht abgeneigt, dort Fuß zu fassen. Das muss allerdings dann die vierte Generation entscheiden".

 

 

Quelle: Freie Presse, Ausgabe Marienberger Zeitung, 01.07.2011