Fazit: "Die drei Sterne sind Ihnen sicher!"

Das Erzgebirge ist eine beliebte Ferienregion, das belegen steigende Übernachtungszahlen. Doch noch scheuen viele Vermieter die Bewertung ihrer Unterkünfte. Das soll sich ändern.

VON BEATE KINDT-MATUSCHEK

SCHWARZENBERG - Den kritischen Blicken von Rosi Neubert entgeht nichts. Die 54-Jährige ist schon seit vielen Jahren im Geschäftsbereich der touristischen Infrastruktur für die Wirtschaftsförderung Erzgebirge (WFE) in Annaberg-Buchholz tätig. Seit der Kreisreform 2008 obliegt ihr die Klassifizierung der Ferienunterkünfte auf dem Gebiet des gesamten Großkreises. Denn Rosi Neubert ist bislang die einzige Mitarbeiterin, die das entsprechende Zertifikat für die Bewertungen beim Deutschen Tourismusverband erworben hat.

"Die Erzgebirger sind gute Gastgeber", dieses pauschale Urteil kann sie sich erlauben, denn sie kennt viele Ferienwohnungen in der Region. Ihr Job ist, die Quartiere auf Wunsch der Vermieter genau unter die Lupe zu nehmen. Denn die begehrten Sterne, mit denen gute Ferienunterkünfte ausgezeichnet werden, um dann mit diesem Gütesiegel für sich werben können, gibt es keineswegs umsonst.

"Die Erzgebirger sind gute Gastgeber."

Rosi Neubert, Prüferin

"Freie Presse" hat die Prüferin in dieser Woche bei einer solchen Klassifizierung begleitet. Unterstützt von Eveline Philipp von der Stadtinformation Schwarzenberg, klingelte das Prüf-Duo an der Tür von Gesine und Johannes Illig in Erla-Crandorf. Die Illigs vermieten bereits seit 1996 die kleine Ferienwohnung im Obergeschoss ihres idyllisch gelegenen Hauses am Vogelherd. Allein der Blick aus dem Fenster ist Erholung pur. Die Vermieterin kennt das nun folgende Prozedere nur all zu gut. Sie hat ihre Ferienwohnung erstmals im Jahr 2002 klassifizieren lassen. Seither trägt diese drei Sterne.

Kontrolle in allen Ecken

Die Wohnung ist picobello sauber und aufgeräumt. Die Räume hell und freundlich, modern möbliert ohne zu viel Deko und Schnörkel. Die kleine Küche wirkt durch die Dachschräge besonders gemütlich und versprüht etwas von der viel besungenen Gastlichkeit der Erzgebirger, die gern "zammrucken", um Platz für weitere Gäste in der Runde am Tisch zu schaffen. Dann legen Rosi Neubert und Eveline Philipp los: Sie begutachten jedes Zimmer. Messen die Räume, die Blicke schweifen über Fußböden, Wände und Gardinen. Die Frauen öffnen jeden Schrank, ziehen jede Schublade auf. Auch die Matratzen und die Federböden der Betten - alles wird in Augenschein genommen. Den süßen Betthupfer für die Gäste auf der frisch gemangelten Bettwäsche nehmen sie wohlwollend zur Kenntnis, ebenso wie die kleine Pinnwand in der Küche, an der aktuelle Ausflugstipps für die Gäste aufgezwickt sind. Die Frauen fragen nach: "Ist die Mikrowelle mit Grill? Ist ein Toaster da?" Das Bad, dessen Ausstattung, die Terrasse, die Fenster - alles wird beäugt oder getestet.

Die Hausbesitzerin weiß, worauf es ankommt, was die Gäste wünschen. Schon seit Jahren ist sie auch bei Novasol, einem großen Ferienhausvermieter, gelistet, der ebenfalls harte Prüfkriterien für eine Vermittlung der Objekte abfordert. Nahezu alle Fragen des langen Katalogs, den die Frauen anschließend im Gespräch abarbeiten, kann die Vermieterin mit Ja beantworten. Dürfen die Gäste den Garten mit nutzen, sind Sonnenliegen und ein Grill vorhanden? Wo darf das Auto der Urlauber stehen?

Die Antworten werden am Ende in Punkte umgerechnet. "Die drei Sterne sind Ihnen sicher", verkündet Rosi Neubert nach gut einer Stunden und schiebt die rote Prüfplakette über den Tisch. Ein Lächeln huscht übers Gesicht von Gesine Illig. Die Plakette ist für drei Jahre gültig, dann kommen die Prüfer erneut. Doch man muss sie bestellen und bezahlen. Das Ganze kostet den Vermieter 84 Euro. "Umgerechnet auf die drei Jahre Gültigkeit sind es 2,74 Euro pro Monat, die das Gütesiegel kostet", so Neubert.

Sterne machen attraktiv

Von den derzeit 49 privaten Ferienwohnungen mit 163 Betten in und um Schwarzenberg tragen erst neun die begehrten Sterne. Doch geht es nach den Vorstellungen der Stadt, so soll sich dies ändern, denn mehr Servicequalität sei das Ziel. "Urlauber legen heute mehr denn je Wert auf Qualität", weiß Rosi Neubert. Und wer mit den Sternen werben kann, hat aus ihrer Sicht eindeutig die besseren Chancen, gebucht zu werden.

Internet: neubert@wfe-erzgebirge.de