Erzgebirge testet Technik der Zukunft

Der Energieversorger Envia M testet in kommunalen Einrichtungen in Oelsnitz sogenannte intelligente Stromzähler - ein im Erzgebirge einmaliges Projekt. Nun sind auch Privatkunden am Zug.

VON VIOLA HEIDRICH

OELSNITZ - Auf dem Computerbildschirm sind Säulendiagramme zu sehen. Jede Säule ist einem Tag zugeordnet, ihre Höhe zeigt den Stromverbrauch an. "Das ist der Zähler der Grundschule Oberoelsnitz", erklärt Rita Brautzsch, Mitarbeiterin im Oelsnitzer Hauptamt. Deutlich kann man die Wochenenden erkennen, dann sind die Säulen kleiner. Ebenso in den Ferien. Rita Brautzsch befindet sich in einem speziellen Internetportal der Envia Mitteldeutsche Energie AG (Envia M) - dem für sogenannte Smart Meter, auch intelligente Stromzähler genannt.

Für zehn Gebäude kann die Stadt so jederzeit überprüfen, wie hoch der Stromverbrauch ist. Für Hauptamtsleiterin Ilona Schaarschmidt eine tolle Sache: "So kann man sehen, wo sich vielleicht etwas ändern lässt." Genau das ist laut Envia-M-Sprecher Stefan Buscher auch der Zweck: "Intelligente Zähler sorgen für Verbrauchstransparenz und geben so Anreize, durch eigenes verändertes Verhalten Energieverbrauch und -kosten zu senken. Denn intelligente Zähler ermöglichen es, die Erfolge von Energiesparmaßnahmen zeitnah zu messen", erklärt er.

"Intelligente Zähler werden flächendeckend Verwendung finden. Es ist nur eine Frage der Zeit."

Andreas Auerbach Envia-Vorstand

Envia M war auf Oelsnitz zugekommen, ob Interesse an der Visualisierung des Stromverbrauchs bestehe, erklärt Ilona Schaarschmidt. Es wurde ein entsprechender Vertrag abgeschlossen. Im August 2010 baute der Energieversorger zehn intelligente Zähler in kommunalen Einrichtungen, beispielsweise dem Rathaussaal, der Bibliothek und den Feuerwehren, sowie für die Straßenbeleuchtung in der Pflockenstraße ein. Alle Kosten des Projekts übernimmt Envia M. Auch wenn das für Oelsnitz kostenfreie Projekt noch bis August läuft, schließt Ilona Schaarschmidt schon heute eine Weiternutzung der Technik nicht aus.

Der Laie kann den Unterschied zwischen intelligenten und normalen Stromzählern kaum erkennen, wie ein Blick in den Keller des Rathauses zeigt: Lediglich ein kleines zusätzliches Bauteil gibt es, über das die Verbräuche zum Energieversorger übermittelt werden. Alle Viertelstunde passiert das, und so ist es möglich, den Verbrauch für bestimmte Zeiträume abzurufen. Allerdings nur für das komplette Objekt. Buscher: "Intelligente Stromzähler machen den Strom nicht für einen einzelnen Raum oder ein einzelnes elektrisches Gerät sichtbar."

Ziel von Envia M sei es, praktische Erfahrungen mit der Technologie zu sammeln und mehr über die Erwartungen, Vorstellungen und Wünsche der Kunden zu erfahren, erklärt Buscher. Dies sei notwendig, um entsprechende Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln. Denn was in Oelsnitz noch als Pilotprojekt läuft, ist laut Andreas Auerbach, Envia-Vorstand Vertrieb, für Deutschland die Zukunft: "Intelligente Zähler werden flächendeckend Verwendung finden. Es ist nur eine Frage der Zeit."

Neben den umgerüsteten Zählern in kommunalen Gebäuden wurden im Dezember zwölf weitere bei Gewerbekunden eingerichtet. Laut Buscher sind die Erfahrungen des Energieversorgers durchweg positiv. "Die Stromzähler funktionieren reibungslos. Die Datenübertragung arbeitet in der Regel zuverlässig. Ausnahmen bilden Anlagen mit schlechtem Funkempfang." Man rüste die intelligenten Stromzähler mit D2-Empfang aus. Dort, wo das D2-Netz nicht funktioniert, werde alternativ auf D1 umgestellt.

In diesen Tagen wurde auch das Einbinden von Oelsnitzer Privathaushalten in das Projekt abgeschlossen. 919 Kunden wurden angeschrieben. Buscher: "Dabei haben wir das Hauptaugenmerk auf Hausbesitzer gelegt, da diese selbst über den Zählerwechsel entscheiden können und über entsprechendes Einsparpotenzial verfügen." 56 von ihnen hätten sich zu dem Test bereiterklärt. Bedenken wegen des Datenschutzes - schließlich ist mithilfe der Smart Meter erkennbar, wann Strom verbraucht wird, also auch, wann jemand daheim ist - gab es für diese 56 offenbar nicht. Dafür gibt es laut Buscher auch keinen Grund: "Der Kooperationsvertrag legt fest, dass alle Daten sicher und verschlüsselt übertragen werden." Konkret bedeutet dies, dass der Zugang zum Smart-Meter-Portal kenn- und passwortgeschützt ist, also nur der Stromkunde selbst Zugang hat. Die Übertragung sei zudem mit den Datenschutzbeauftragten Sachsens und Sachsen-Anhalts besprochen worden. "Sie haben keine grundlegenden Bedenken zur Verfahrensweise im Pilotprojekt geäußert."

 

 

Quelle: Freie Presse, Ausgabe Zschopauer Zeitung, 03.05.2011