Erzgebirge soll Unesco-Welterbe werden: Initiatoren machen Tempo, Regierung bremst

Dresden. Das Erzgebirge soll möglichst bald zum Unesco-Welterbe gehören. Die Initiatoren vom Förderverein für das Welterbe Montanregion Erzgebirge drücken aufs Tempo. Die Landesregierung müsse mit der tschechischen Seite schnell offiziell Kontakt aufnehmen, sonst sei der Zeitplan in Gefahr, sagte der stellvertretende Vereinschef Helmuth Albrecht am Montag in Dresden bei einer Anhörung im Landtag. Albrecht zufolge muss der Antrag bis Juni 2012 fertig sein. Bis Februar 2013 muss er bei der Unesco abgegeben werden. Das Kabinett hatte Anfang März erstmals den Stand des Vorhabens geprüft, dem Projekt aber noch nicht endgültig zugestimmt.

Das Innenministerium teilte nach der Anhörung mit, die Gespräche mit der tschechischen Regierung würden vorbereitet. Allerdings sei nicht bekannt, wie die Prager Regierung zum Welterbeantrag stehe. Bisher gebe es von dort keine Stellungnahme. Zudem bereite das Innenministerium mit den Antragstellern, den Landräten, Unesco-Vertretern und der Wirtschaft ein Treffen vor. Dort solle die Bewerbung breit diskutiert werden. Ein Scheitern bei der Unesco solle vermieden werden

Die Regierung will sicherstellen, dass sich aus dem Welterbetitel keine Nachteile für die wirtschaftliche Entwicklung der Region ergeben. Aus Sicht fast aller acht Experten, die zur Anhörung geladen waren, sind diese Befürchtungen unbegründet. „Es soll nicht das Leichentuch der Denkmalpflege über die Region gebreitet werden", unterstrich Albrecht, der auch Professor an der TU Bergakademie Freiberg ist. Eine Studie habe gezeigt, dass die wirtschaftliche Entwicklung nicht behindert werde. Es sollten nur 35 von etwa 2500 Denkmalen in das Projekt einbezogen werden. Das seien nur 0,1 Prozent der Erzgebirgsfläche.

Für den Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Erzgebirge, Matthias Lißke, ist der Welterbetitel gerade aus wirtschaftlichen Gründen sinnvoll. Das Erzgebirge sei zu wenig bekannt und habe ein Image-Problem. „Es darf nicht nur als „Weihnachtsland" wahrgenommen werden, wenn Fachkräfte in die hoch industrialisierte Region geholt werden sollen." Werde das Erzgebirge 2014 Welterbe, sei das eine Chance, die Region weltweit bekannt zu machen. Hinzu komme, dass auch im Tourismus mit Zuwachs gerechnet werden könne.

Rainer Wirtz von der Universität Konstanz (Baden-Württemberg) mahnte beim Antrag zu Sorgfalt. Es müsse genau beschrieben werden, was das Erzgebirge einzigartig mache und es von anderen Welterbe-Bergbauregionen unterscheide. Zudem sei es nötig, zeitig den Kontakt zur Unesco zu suchen. Albrecht zufolge wollen sich die 36 Bürgermeister und zwei Landräte, die in das Projekt eingebunden sind, Ende April zu einer Konferenz in Freiberg treffen. Dort soll ein Vertrag beraten werden, der den weitere Fahrplan bis zur Antragstellung festlegt. Die bisherigen Studien hätten rund 300 000 Euro gekostet, die zumeist von Sponsoren und aus Fördermitteln aufgebracht wurden, hieß es.Bis zum fertigen Antrag würden etwa weitere 700 000 Euro gebraucht, sagte Lißke. Weitere rund 800 000 Euro würden für Werbung gebraucht.

„Damit der ambitionierte Zeitplan für die Antragstellung eingehalten werden kann, muss der Freistaat das Projekt nun unverzüglich in die Hand nehmen", erklärt kulturpolitische Sprecher der Grünen im Landtag, Karl-Heinz Gerstenberg, nach der Anhörung. Der Kulturexperte der Linken, Volker Külow, forderte die Regierung auf, die Bewerbung des Erzgebirges um den Welterbestatus zu einem „offiziellen Projekt des Landes" zu erklären und die dafür nötigen finanziellen Mittel bereitzustellen.„Aus kulturpolitischer Sicht ist das Weltkulturerbeprojekt für den Freistaat von herausragender Bedeutung", sagte die SPD-Kulturexpertin Eva-Maria Stange. Als nächster Schritt müsse eine offizielle Einladung an die tschechische Regierung kommen.

 

 

© DNN-Online, 04.04.2011, 16:32 Uhr