Erstes Unternehmen der Choren-Gruppe verkauft

Nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens haben 120 Mitarbeiter ihre Kündigung erhalten. Der Insolvenzverwalter bleibt trotzdem zuversichtlich.

VON CHRISTOPH ULRICH

FREIBERG - Ein Teil der insolventen Freiberger Unternehmensgruppe Choren ist verkauft worden. Der bisherige Geschäftsführer Jonas Kappeller übernimmt die Choren Components GmbH, teilte der Insolvenzverwalter des Unternehmens, Tim Brune (Kanzlei Kübler), am Samstag mit. Kappeller übernehme alle rund 25 Mitarbeiter und werde den Geschäftsbetrieb am Standort Freiberg fortführen, hieß es. Der auf den Bau von Vergasungsanlagen spezialisierte Betrieb werde allerdings umbenannt und firmiere künftig unter dem Namen TAF Thermische Apparatebau Freiberg GmbH. So hieß das Unternehmen schon bei einer Gründung 1997 bis es in die Choren-Gruppe eingegliedert wurde.

Wie es mit den beiden anderen Unternehmen der Gruppe, Choren Industries (CI) und Choren Fuel Freiberg (CFF), weitergeht, ist noch unklar. "Wir sind zuversichtlich, auch noch für die beiden anderen Choren-Gesellschaften einen geeigneten Investor zu finden", sagte Bruno M. Kübler, Insolvenzverwalter der Choren-Muttergesellschaft. Nach wie vor sei Interesse an der Choren-Technologie vor allem auch im Ausland vorhanden, meinte Kübler.

Hoffnung auf Rettung

Für viele Mitarbeiter kommt eine Rettung der Gruppe aber möglicherweise zu spät. Nachdem für die Choren-Unternehmen Ende September das Insolvenzverfahren eröffnet wurde, ist auch das Insolvenzgeld für die rund 290 Mitarbeiter ausgelaufen. Da die beiden noch nicht verkauften Unternehmen keine nennenswerten Einnahmen erzielen, blieben Konsequenzen für das Personal nicht aus. 120 Mitarbeiter haben nach Auskunft des Insolvenzverwalters bereits ihre Kündigung erhalten. Mehr als die Hälfte der Mitarbeiter werden aber über eine Brückenfinanzierung weiter beschäftigt.

Kübler sieht aber auch für die jetzt entlassenen Mitarbeiter noch Hoffnung. Die Kündigungen seien nur vorsorglich erfolgt. "Bei einem Verkauf von Choren in den kommenden Monaten besteht die begründete Hoffnung, dass diese Mitarbeiter doch noch bei Choren bleiben können", sagte der Insolvenzverwalter.

Das Freiberger Unternehmen war im Sommer elf Jahre nach seiner Gründung in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Choren gilt als Pionier bei der Entwicklung von Biokraftstoff-Technologien. Nachdem in einer Versuchsanlage die Produktion von synthetischem Kraftstoff aus Biomasse wie Holzabfällen erfolgreich erprobt wurde, errichtete Choren eine größere Demonstrationsanlage für die Serienproduktion. In dieser Anlage sollten nach einer Anlaufphase stündlich aus neun Tonnen Biomasse rund 2500 Liter Bio-Diesel entstehen. Die Freiberger Anlage wurde zwar im Dezember 2009 erstm als gestartet, befindet sich aber weiterhin noch in der Anlaufphase. Ein wichtiger Schritt bei der Herstellung des Kraftstoffs ist die Vergasung der Biomasse, bei der das sogenannte Synthesegas erzeugt wird. Nach Auskunft von Kübler waren Finanzierungsschwierigkeit bei der Inbetriebnahme der Synthesegas-Demonstrationsanlage der Grund für die Insolvenz des Unternehmens.

 

Rückschlag für Bio-Kraftstoff

Die Insolvenz der Choren-Gruppe war ein herber Rückschlag für die Entwicklung von Biokraftstoffen der zweiten Generation, an der sich neben den Autoherstellern Volkswagen und Daimler zahlreiche Privatinvestoren beteiligten. Diese neuen Bio-Kraftstoffe werden in einem komplizierten Verfahren aus organischen Abfällen wie Stroh, Holz oder anderen pflanzlichen Stoffen hergestellt. Sie gelten als deutlich umweltfreundlicher als der bisherige Biodiesel, der vor allem aus Raps gewonnen wird.

 

 

Quelle: Freie Presse, Ausgabe Annaberger Zeitung, 10.10.2011