Elektroanlagenbauer setzen Großprojekt auf Campus um

Einen acht Millionen Euro schweren Auftrag arbeitet das Zschopauer Unternehmen derzeit in Hessen ab - der größte seit der Firmengründung vor 20 Jahren.

VON MIKE BALDAUF

ZSCHOPAU - Die Elektro-Anlagenbau Zschopau GmbH (EAB) hat in den zurückliegenden Jahren ihren Weg als Großauftragnehmerin erfolgreich fortgesetzt. Ihre Kräfte konzentriert die Firma derzeit auf den Campus Riedberg bei Frankfurt am Main. Im Zeitraum von eineinhalb Jahren statten die EAB-Monteure auf dem Unigelände drei Neubauten mit elektrischen Anlagen aus - angefangen von der Trafostation bis hin zu Glasfaserkabel und EDV-Systemen.

Auf dem Campus wird an chemischen, biochemischen und physikalischen Anwendungen von morgen geforscht. Künftig sollen dort alle naturwissenschaftlichen Fachbereiche und Disziplinen Platz finden. Für EAB-Geschäftsführer Bernhard Müller bedeutet das Mitwirken an dieser Aufgabe zugleich den größten Auftrag seit Bestehen des Unternehmens. Acht Millionen Euro beträgt das Volumen - ein gewichtiger Brocken. Denn normalerweise bewegen sich die Aufträge des 120 Mitarbeiter zählenden Unternehmens in der Größenordnung zwischen einer halben und drei Million Euro. Müller: "Alles in allem haben wir derzeit eine Auftragssumme von elf Millionen Euro unter Vertrag. Das entspricht fast der kompletten Jahresproduktion." Um sich auf dem hart umkämpften Markt behaupten zu können, haben sich die Zschopauer Anlagenbauer auf die Ausstattung von Krankenhäusern spezialisiert. "In dem Bereich gilt es, hochwertigen Anforderungen gerecht zu werden. Bisher haben wir schätzungsweise an 70 bis 80 Klinikneubauten beziehungsweise -sanierungen mitgewirkt." Ein weiteres Standbein schuf sich das Unternehmen mit der Installation elektrischer Einrichtungen, die für die Wartung sowie den Start von Flugzeugen und Hubschraubern gebraucht werden. Mit der Technik statten die Zschopauer Nato-Fliegerhorste aus, die über ganz Deutschland verteilt sind.

Damit ist klar: Wer im EAB als Monteur arbeitet, muss sich auf Reisetätigkeit einstellen. 75 Mitarbeiter sind gegenwärtig im Außendienst. "Das meiste gibt es in anderen Bundesländern zu tun, nur wenig in der Region", sagt Müller, der mit seiner Firma inzwischen 20 Jahre am Markt agiert und zur heutigen Jubiläumsfeier Kunden und Auftraggeber als Gäste erwartet.

Denkt er an die Wirren der Wendezeit zurück, erinnert er sich besonders an jenem Tag, als er bei seiner verzweifelten Suche nach einen Kreditgeber in der Gelenauer Gewerbe-Bank auf einen Banker aus den alten Bundesländern traf: "Innerhalb kurzer Zeit bekam ich nach dem Gespräch einen Kredit über 1,4 Million D-Mark in die Hand. Ohne diese zufällige Begegnung hätte ich den Betrieb damals nicht fortführen können."

1990 wurde Müller für die Dauer von vier Monaten als Betriebsdirektor eingesetzt. Dabei kam ihm die Aufgabe zu, den Volkseigenen Betrieb, den sein Vater bis 1986 leitete, "den neuen gesellschaftlichen Verhältnissen anzupassen", wie es hieß. Für den damals 44-Jährigen war das völliges Neuland. "Ich habe Berge von Büchern gewälzt und mich mit Steuer- und GmbH-Recht befasst." Den Start in die Marktwirtschaft begünstigte zu jener Zeit ein Großprojekt im Chemnitzer Opernhaus. Als Spezialist für Bühnentechnik hatte der VEB vor der Wende den Auftrag für den Umbau erhalten und danach auch fortgeführt. Damals holten sich die Zschopauer einen Subunternehmen aus dem Westen ins Boot. "Aus dieser Verbindung ergab sich im Gegenzug der erste neue Auftrag für uns: die Verkabelung von Intercity-Triebwagen und -Wagons", erinnert sich Müller.

 

Quelle: Freie Presse, Ausgabe Zschopauer Zeitung, 31.03.2011