Busunternehmen sollen verschmelzen

Geschäftsführer: Nach Neustrukturierung wäre die BVO Sachsens größter regionaler Nahverkehrsbetrieb

Von Andreas Luksch

Annaberg-Buchholz. Wenn morgen der Erzgebirgs-Kreistag die entsprechenden Weichen stellt, avanciert die BVO Verkehrsbetriebe Erzgebirge GmbH durch Verschmelzung mit Teilen der Autobus GmbH Sachsen - Regionalverkehr (ASR) zum größten regionalen Verkehrsunternehmen in Sachsen. Hauptsitz des neuen Branchen-Riesen würde Annaberg-Buchholz bleiben.

Mit der Neustrukturierung soll zwei Jahre nach der Kreisreform auch der Öffentliche Personen-Nahverkehr den politischen Gegebenheiten angepasst werden. "Fahrgäste und Service sind davon aber nicht berührt", versichert BVO-Geschäftsführer Roland Richter. Der Fahrverkehr laufe weiter wie bisher. Aktuell ist der Erzgebirgskreis bei beiden öffentlichen Busunternehmen Gesellschafter: sowohl bei der BVO mit ihren Standorten in Annaberg, Aue, Schwarzenberg sowie Marienberg/Olbernhau als auch bei der ASR mit ihren Standorten in Zschopau, Lugau sowie Limbach-Oberfrohna. Wegen letzterem ist auch der Landkreis Zwickau bei der ASR Gesellschafter. "Das ist ein Relikt vergangener Kreisreformen", erläutert Richter die schwierige Ausgangslage.

Der nun den Kreisräten zur Entscheidung vorliegende Kompromiss sei laut Richter die beste Lösung: "Sie trägt den Interessen beider Landkreise sowie der Unternehmen Rechnung." Um künftig teure Doppelstrukturen zu vermeiden, sollen die Standorte Zschopau und Lugau abgespalten und der BVO zugeschlagen werden. Die ASR wiederum beschränkt sich auf den Standort Limbach-Oberfrohna. Da dieser sehr klein ist, soll er in Betriebspacht von der BVO fortgeführt werden.

Zwar gehe die Neustrukturierung nicht kostenlos über die Bühne. "Doch die erwarteten Einsparungen sind ungleich höher", erläutert Richter. So werde es künftig nur einen statt derzeit drei Geschäftsführer geben. Auch könnten eine Reihe von Abteilungen, wie beispielsweise der kaufmännische Bereich, die EDV, das Marketing oder die Technik zusammengelegt werden. "Wir wollen die Neustrukturierung dennoch nicht zum Anlass von Personalabbau nehmen", versichert Richter. Allerdings sei in den folgenden Jahren zu prüfen, ob wegen Altersteilzeit oder Verrentung frei werdende Stellen wieder besetzt werden müssen oder die Arbeit durch Umbesetzung und Umorganisation erledigt werden kann. Richter macht keinen Hehl daraus, wie wichtig effektive Strukturen sind, um auch künftig attraktive Nahverkehrsangebote anbieten zu können. So wolle die Staatsregierung ihre Zuschüsse drastisch reduzieren. "Beispielsweise sollen die Fördermittel für neue Busse auf null gefahren werden", weiß Richter. Auch die Landkreise müssen sparen. Richter ist sich deshalb sicher, dass auch die Zwickauer Kreisräte der Umstrukturierung zustimmen. Diese werden aber erst im Dezember ihre Entscheidung treffen.

Die neue BVO

Mitarbeiter: 620 (340 BVO alt/280 ASR)

Standorte: 7 (4 BVO alt/3 ASR)

Busse: 280 (150 BVO alt/130 ASR)

Linien: 172 (98 BVO alt/74 ASR)

 

 

Quelle: Freie Presse, Ausgabe Annaberger Zeitung, 29.09.2010