Bahntechnik stellt Weichen auf Zukunft

Nach einer Durststrecke läuft der Brander Stahlverarbeiter wieder im Dreischichtsystem. 2011 sind Investitionen geplant.

VON ASTRID RING

BRAND-ERBISDORF - Die Bahntechnik Brand-Erbisdorf blickt optimistisch voraus: Der Stahl verarbeitende Betrieb will 2011 bis zu 1,5 Millionen Euro investieren. Das Geld ist unter anderem für eine automatische Ultraschallprüfanlage gedacht, mit der innere Fehler in Radsatzwellen sicherer nachzuweisen sind. Auch ein zusätzlicher Wärmebehandlungsofen zum Herstellen bestimmter Stahleigenschaften soll angeschafft werden.

"Wir sind die einzige Wellenschmiede in Deutschland."

Norbert Klein Geschäftsführer

Die Firma fertigt als Zulieferer hauptsächlich Radsatzwellen für Schienenfahrzeuge sowie Ringe für verschiedene Einsatzgebiete. "Wir sind die einzige Wellenschmiede in Deutschland", erläuterte gestern Geschäftsführer Norbert Klein. Auch die Deutsche Bahn gehört zu den Kunden des Unternehmens, das knapp 100 Mitarbeiter beschäftigt. Radsatzwellen aus Brand-Erbisdorf rollen zum Beispiel in Berliner S-Bahnen, ICE-Zügen und diversen anderen Schienenfahrzeugen. Der 2003 gegründete Zulieferer, mit 68 Mitarbeitern aus einem Teil des insolventen Press- und Schmiedewerkes hervorgegangen, bearbeitet Stahl in der Freiform-, der Feinschmiede sowie im Ringwalzwerk. Ihren Einsatz finden die Teile, die ein Gewicht bis zu etwa drei Tonnen haben, im Fahrzeugbau ebenso wie in Windkraftanlagen, im Schiff-, Motoren- und Getriebebau sowie im Druckmaschinenbau.

"Bei uns ist körperliche Arbeit nach wie vor nötig", blickt Eberhard Mehle, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit, auf die Ausbildung junger Leute. Denn unter den acht Lehrlingen sind neben angehenden Mechanikern auch Verfahrensmechaniker im Freiformschmiedebereich, da es die klassische Lehre zum Schmied in der Region nicht mehr gibt. Bisher übernahm die Bahntechnik die jungen Fachleute in ihren Mitarbeiterstamm.

Nach einer Durststrecke im Jahr 2009 mit etwa 20 Prozent Kurzarbeit von März bis August wegen des Einbruchs der Aufträge - die Krise wirkte sich auch in der Stahlverarbeitung aus - gingen in der Bahntechnik 2010 wieder alle Lichter an. "Die Produktion läuft dreischichtig, in der Feinschmiede und im Ringwalzwerk sind sogar zusätzliche Schichten am Wochenende nötig", beschreibt Geschäftsführer Klein den momentanen Zustand. Spürbar sei besonders, dass der Güterverkehr wieder zunehme. Etwa 35.000 vorbearbeitete Radsatzwellen verlassen die Brander Firma pro Jahr. In der Radsatzfabrik Ilsenburg GmbH und der Bochumer Verein Verkehrstechnik GmbH werden daraus fertige Wellen und Radsätze. Die Firmen gehören neben der Brand-Erbisdorfer und neuerdings einem Werk in Brasilien zum Bereich Bahntechnik der Georgsmarienhütte Holding.

2011 deckt der Brander Stahlverarbeiter etwa zehn Prozent der Jahresproduktion über einen Auftrag aus China ab. Radsatzwellen für Hochgeschwindigkeitszüge werden nach Ostasien geliefert. Während in diesem Produktbereich der Kundenkreis relativ stabil sei, gelte es , vor allem für die Ringherstellung neue Kunden zu gewinnen. "Unser Ziel ist, zuverlässig gute Qualität bei schwierig zu verarbeitenden Stählen zu garantieren", stellte Eberhard Mehle einen Schwerpunkt heraus, der den Betrieb gegenüber Konkurrenten aus Osteuropa und China auszeichne. Das gelte nicht nur für die seit 2010 neu in die Produktion aufgenommenen Matrizenringe für Pelletieranlagen. Aktuell sehen die Stahlverarbeiter auch Aufwind für die Windkraft und ihre hochpräzisen Zulieferteile. Norbert Klein: "Wir wollen den Export ausbauen und den Umsatz von etwa 43 Millionen Euro im vorigen Jahr 2011 um zehn Prozent erhöhen."

 

 

Quelle: Freie Presse, Ausgabe Freiberger, 30.03.2011