Ausbildung komplett unter einem Dach

Die Richard Glässer GmbH zählt zu den wenigen Unternehmen der Branche, die innerhalb ihrer Berufsausbildung alle Facetten des Handwerks bietet und deshalb nicht an der sogenannten Verbundausbildung teilnimmt.

VON JAN GÖRNER

SEIFFEN - Die Arbeit geht Carolin Frank leicht von der Hand. Jeder Pinselstrich sitzt. Ihr Lehrausbilder André Hunger hat keinen Grund, sie zu korrigieren. Obwohl sie erst im zweiten Lehrjahr ist, hat sie schon vieles gelernt. "Die Ausbildung zur Holzspielzeugmacherin ist sehr facettenreich und macht mir großen Spaß", sagt die Thüringerin.

Ihre praktischen Fähigkeiten erwirbt sie sich komplett in ihrem Ausbildungsbetrieb, der Richard Glässer GmbH. Mit dem Schuljahresbeginn 2010/11 zog sich das Traditionsunternehmen aus der Verbundausbildung des Verbandes Erzgebirgischer Kunsthandwerker und Spielzeughersteller zurück. "Wir sind ein großes Unternehmen und können alle Facetten des Berufes selbst effektiver vermitteln", meint der geschäftsführende Gesellschafter der GmbH, Klaus Hübsch.

Klassische Handarbeit gefragt

Gleichzeitig weiß er auch, dass viele andere Ausbildungsbetriebe auf die Verbundausbildung angewiesen sind. "Das Spielzeugmacherhandwerk verlangt Kenntnisse und Fähigkeiten im Drechseln, Schnitzen, Spanbaumstechen, im dekorativen Malen und in der maschinellen Bearbeitung", zählt der Lehrausbilder auf. Dass die Handwerksbetriebe alle diese Facetten vor Ort bieten, ist, wie sich Klaus Hübsch sicher ist, eher die Ausnahme. "Bei uns ist das auf Grund unserer Angebotspalette aber erforderlich", sagt der Fachmann.

Mit 90 Mitarbeitern zählt der Betrieb zu den größeren innerhalb der Branche. Derzeit gehören acht Auszubildende zum Team. Sieben erlernen den Beruf des Holzspielzeugmachers, einer den des Industriekaufmanns. Um die Lehrlinge im handwerklichen Bereich kümmert sich André Hunger. Erst im vergangenen Jahr schloss er seinen Meisterlehrgang ab. Die Lehrlinge anleiten darf er schon ein Jahr länger.

Lehrlinge der Verbundausbildung erwerben zu einem Drittel theoretische Kenntnisse an der Berufsschule in Seiffen, zu einem Drittel praktisch in der gleichen Einrichtung und zu einem weiteren Drittel im Ausbildungsbetrieb. Wer bei der Richard Glässer GmbH Spielzeugmacher wird, verschafft sich die Theorie in der Berufsschule und die Praxis ausschließlich im Ausbildungsbetrieb. "In der Praxis achten wir auf intensive Betreuung unserer Lehrlinge", versichert André Hunger.

Unternehmen sucht Lehrlinge

Allerdings wird es zunehmend schwieriger, junge Leute für den Beruf zu begeistern, räumt Klaus Hübsch ein. "Dieses Jahr haben wir für das neue Lehrjahr niemanden gefunden, der bei uns den Beruf des Spielzeugmachers lernen möchte", bedauert der geschäftsführende Gesellschafter. Als wesentlichen Grund führt er die geburtenschwachen Jahrgänge an: "Wir bemühen uns dennoch weiter, nächstes Jahr wieder junge Leute zu finden, die das für die Region so traditionelle Handwerk anstreben." Deshalb präsentiere sich das Unternehmen auf Berufsbildungsmessen und mit einem Tag der offenen Unternehmen. "Die Jugend ist schließlich die Zukunft des Holzspielzeugmacherhandwerks", so der Unternehmer.

Carolin Frank ist sich sicher, die für ihre Zukunft richtige Entscheidung getroffen zu haben. Sie hat bei der Berufsberatung in Thüringen von der Firma erfahren und sich beworben. Mittlerweile ist die 21-Jährige aus Tabarz bei Gotha nach Seiffen gezogen.

 

 

Quelle: Freie Presse, Ausgabe Marienberger Zeitung, 03.02.2012