​Auftakt zum neuen „Berggeschrey“ im Erzgebirge

Geologe Jens Ulrich von der GUB Ingenieur AG in Freiberg an der Markierung der Bohrkopfanstatzstelle für den künftigen Erkundungsschacht. (Foto: Privat)
Geologe Jens Ulrich von der GUB Ingenieur AG in Freiberg an der Markierung der Bohrkopfanstatzstelle für den künftigen Erkundungsschacht. (Foto: Privat)

Zinn- und Wolfram-Abbau in Pöhla: Ab heute Baufeldfreimachung für das Abteufen eines Erkundungsschachtes

Der aktive Bergbau kehrt ins Erzgebirge zurück. Nachdem die Saxony Minerals End Exploration AG (SME AG) vom Sächsischen Oberbergamt im Mai 2012 die Bewilligung nach Bundesberggesetz erhalten hat, in der Nähe von Pöhla und Globenstein oberhalb von Schwarzenberg im Erzgebirge Zinn, Wolfram und Flussspat abzubauen, wird es nun ernst. Heute begannen nach unterdessen erfolgten Probebohrungen die eigentlichen Arbeiten. Zur Baufeldfreimachung rückten die Bagger an. Der Förderturm, der dann ab dem Frühjahr errichtet wird, wird die Hebeanlagen des neuen zu errichtenden senkrechten Erkundungsschachtes der Zinn- und Wolframmine beherbergen. In einem Gebiet von rund 408 Hektar (=Bewilligungsfeld) südlich von Pöhla will das Unternehmen drei Erzlager erschließen und ab 2019 die Bodenschätze abbauen.

 

„Die Erzlagerstätten im Pöhlaer Bergbaugebiet sind genauestens lokalisiert“, berichtet Dr.-Ing. Klaus Grund, Mitglied des SME-Vorstands, Bergbauingenieur und Markscheider. „Ab Januar 2017 werden wir einen 175 Meter tiefen Erkundungsschacht mit drei Meter Durchmesser graben, der genau zu einer der Erzlagerstätten, in diesem Fall einem Wolfram- und Fluoridfeld führt. In der zweiten Jahreshälfte 2017 werden wir dann dort im Rahmen des Erkundungsbergbaus mit der ersten Erzgewinnung beginnen können.“

 

Die Investitionen, die die SME AG tätigt, sind nicht unerheblich. „Das Investitionsvolumen beträgt rund 25 Millionen Euro“, so Andreas Reissner, Vorstandsvorsitzender der SME AG. „Je nach Projektfortschritt werden die Mittel Tranche für Tranche zur Verfügung gestellt. Bei unseren Investoren handelt es sich bis dato ausschließlich um natürliche Personen, unter anderem auch aus der Erzgebirgsregion. Es sind keinerlei Großunternehmen oder Konzerne beteiligt.“

 

Insgesamt werden während der Erkundungsphase voraussichtlich dreizehn Arbeitsplätze geschaffen. Die technische Projektleitung hat Dr.-Ing. Klaus Grund. Ein zusätzlicher Projektmanager, der das operative Geschäft vor Ort verantwortet, wird in Kürze eingestellt. Wenn die Mine dann planmäßig ab 2019 vollständig in Betrieb ist, wird die SME AG in Pöhla rund 120 bis 150 Personen beschäftigen. Der Erkundungsschacht wird im späteren Regelbetrieb dann den vorgeschriebenen zweiten Tageszugang zur Mine bilden.

 

Bei den Pöhlaer Erzfeldern handelt es sich um eine polymetallische Lagerstätte aus Wolfram, Fluorid und Zinn. Der Erzgehalt des Gesteins liegt bei 0,6 bis 1,2 Prozent und damit deutlich über dem Wert vergleichbarer Lagerstätten. Im ersten Schritt wird die SME AG Wolfram und Fluorid abbauen. Der Erkundungsschacht bildet den Auftakt des Projektes. 2.000 bis 3.000 Tonnen Wolframerz sollen aus dem Schacht gefördert, chemisch-metallurgisch ausgewertet und dann aufbereitet werden. Die Auswertung dieser ersten Phase der Erzgewinnung fließt in eine sogenannte bankfähige Machbarkeitsstudie, die wiederum für die weitere Planung der kommerziellen Aufbereitungsanlage wichtig ist.

 

Ungefähr über 30 bis 40 Jahre wird sich die Bergbautätigkeit von 2019 an erstrecken. „Für ein solches Projekt brauchen Sie einen sehr langen Atem“, so Dr.-Ing. Grund. „Allein für das Planfeststellungsverfahren, das sich über mehrere Jahre hinzog, hat die SME AG eine Million Euro investiert. Und auch die erwähnten 25 Millionen sind reine Investitionskosten.“

 

„Die örtliche Bevölkerung wird von der neuen Mine kaum etwas merken“, erläutert Dr.-Ing. Grund, der für die technische Leitung des Projektes verantwortlich ist. „Da die existierende Zuwegung sehr eng ist, wird eine neue Umgehungsstraße für den Betriebsverkehr gebaut und aus Lärmschutzgründen um Pöhla herumgeführt. Sie ist bereits vom Schwarzenberger Stadtrat abgesegnet. Auch eine neue Halde benötigen wir nicht, sondern nutzen die bereits vorhandene weiter.“