118 Hektar warten noch auf Investoren

Neue Karte zeigt erstmals sämtliche Gewerbegebiete des Erzgebirgskreises auf - Landratsamt will sich um Problemfall Lauter kümmern

Von Frank Hommel

 

Annaberg-Buchholz. Der Erzgebirgskreis sieht sich künftig mit ausreichend Gewerbeflächen versorgt. Das erklärte Christoph Stahl, Leiter der Wirtschaftsförderung im Landratsamt, auf Anfrage. "Da bisher noch kein Investor abgelehnt worden ist, muss man konstatieren: Ja, das ist so", sagte Stahl. Eine neue Karte des Euroverlags Chemnitz, die, unterstützt vom Landratsamt, eben erschienen ist, zeigt nun erstmals sämtliche Gewerbegebiete des Erzgebirgskreises im Überblick. Dutzende rote Punkte reihen sich meist wie Perlen entlang der Bundesstraßen und Autobahn auf. Insgesamt 62 Gebiete nehmen zusammen rund 720 Hektar Fläche ein. "Fast alle Gemeinden haben ein Gewerbegebiet ausgewiesen", sagt Stahl. Das größte kann Stollberg für sich reklamieren. Die Bereich Nord, Mitte und Süd des Gebietes "Am Stollberger Tor" kommen allein auf 52 Hektar Baufläche. Kreisweit haben sich auf mehr als 80 Prozent der ausgewiesenen Flächen Firmen angesiedelt. Knapp 800 Unternehmen beschäftigen dort heute rund 16.000 Menschen.

Keine Kosten "außer der Arbeit"

Die Gesamtgröße der freien Flächen beziffert Stahl auf 118 Hektar - ein Sechstel der in

Gewerbegebieten ausgewiesenen und urbar gemachten Flächen liegt damit brach, wartet noch auf Investoren. So sieht Stahl den Erzgebirgskreis für künftigen Bedarf gerüstet. Zumal Städte und Gemeinden, wie beispielsweise Zschorlau, weitere Gebiete in Gewerbeflächen verwandeln wollen. "Bedarfsgerecht", wie Stahl betont. Obendrein sind riesige Gebiete im Landesentwicklungsplan 2003 als "Vorsorgestandorte" eingetragen: An an der A 72 westlich von Stollberg sowie der B 174 in Höhe Marienberg/Lauterbach und Gornau/Amtsberg. Dieser Plan wird derzeit fortgeschrieben. Stahl will darauf hinwirken, dass "die vordergründigen Belange der gewerblichen Entwicklung" darin Eingang finden. Die Karte "Gewerbegebiete im Erzgebirgskreis", die über Anzeigen finanziert worden ist und so den Kreis selbst "außer die Arbeit" keinen Cent kostet, soll nun weitere Investoren locken helfen. Unter anderem haben die verzeichneten Städte und Gemeinden Exemplare zum Verteilen erhalten. Interessenten können die Karte für 2,90 Euro bestellen. Anfragen nach Gewerbeflächen, sagt Stahl, nehmen bereits wieder zu, seitdem die deutsche Wirtschaft die Talsohle durchschritten zu haben scheint. Und die meisten dieser Anfragen, bestätigt Stahl, kommen aus dem Erzgebirge selbst.

 

 

Ansprechpartner aufgelistet

Das spricht für die Potenz der heimischen Unternehmen. Für die listet die Karte der Einfachheit halber gleich die Telefonnummern der Ansprechpartner in den Kommunen auf. Findet freilich jemand Gewerbegebiet Nummer 32 in Lauter interessant und greift zum Telefon, bleibt Bürgermeister Thomas Kunzmann (Freie Wähler) nichts anderes übrig, als den neuen Interessenten zu vertrösten. Wie diejenigen, die er bereits vertröstet hat. Wegen der noch immer unklaren Trassierung der Ortsumgehung darf dort bis 2011 nichts gebaut werden. Stahl weiß um die Situation: "Das ist für die Lauterer natürlich nicht schön." Doch das Landratsamt verfügt kaum über Möglichkeiten, die Planungen des Straßenbauamts zu beschleunigen. Stahl sagt, der Landkreis wolle trotzdem "darauf drücken". Immerhin habe Landrat Frank Vogel (CDU) selbst im Wirtschaftsministerium für eine Studie gekämpft, die Alternativen zur bisherigen Planung von B 101 und B 93 n erkundet und von deren Ergebnissen viele Lauterer einen Fortschritt in der jahrelangen Debatte zur Ortsumgehung erhoffen.

 

 

Quelle: Freie Presse, Ausgabe Annaberger Zeitung, 23.09.2010