Löhne, Gehälter & Einkommen im Erzgebirge

Das Erzgebirge liegt beim Verfügbaren Pro-Kopf-Einkommen im Mittelfeld. Dieses ist zudem von einem überdurchschnittlichen Wachstum gekennzeichnet. Dem gegenüber stehen attraktive Lebenshaltungskosten. Damit kann die Region keinesfalls als ‚Schlusslicht‘ oder ‚Armenhaus Deutschlands‘ bezeichnet werden.

Niedrig- und Billiglohnland, Schlusslicht beim Einkommen, die ärmste Region Deutschlands – wenn es um Löhne, Gehälter und Einkommen im Erzgebirge geht, dominiert ein Bild die Region: Hier ist das Armenhaus Deutschlands, hier gibt es nichts zu verdienen, hier reicht es kaum zum Leben. Und doch wohnen im einwohnerstärksten Landkreis Ostdeutschlands knapp 340.000 Menschen, über 100.000 Beschäftigte arbeiten in einem der bedeutendsten Wirtschaftsstandorte Sachsens, bauen Häuser, kaufen Autos, gründen Familien, entspannen in der Natur, gestalten die Region. Und identifizieren sich mit ihrer Heimat wie kaum anderswo.

Wie passt das zusammen? Wodurch entsteht dieses Zerrbild? Was ist Fakt und was Fiktion? Diese Fragen sollen geklärt werden: 5 Aussagen zum Einkommen im Erzgebirge.

1. Einkommen ist nicht gleich Lohn, Lohn ist nicht gleich Gehalt, Gehalt ist nicht gleich Einkommen

Immer, wenn pauschal vom „Einkommen“ gesprochen wird, muss man hinterfragen, welche Kennzahl zur Messung überhaupt verwendet wird. Denn es gibt große Unterschiede in der Berechnung, aktuellen Verfügbarkeit und Interpretation. Und welche Kennzahl hat die beste Aussagekraft?

Gängige Kennzahlen zur Bewertung von Löhnen, Gehältern und Einkommen mit kurzen Erklärungen und fiktiven Rechenbeispielen:

Haushaltsnettoeinkommen

Erklärung

= die Summe aller Nettoeinkünfte der zum Haushalt gehörenden Personen

  • monatliche Nettoeinkünfte = Summe aus Lohn, Gehalt, Unternehmereinkommen, Rente, Pension, Kindergeld, Vermietung und Verpachtung u.a.

Problem: Die Ermittlung erfolgt durch Selbsteinstufung der Befragten in vorgegebene Einkommensgruppen.

fiktives Rechenbeispiel

Ein Haushalt
3-Personen-Familie mit einem Partner in Elternzeit:
Partner A: 1.900€ Netto-Gehalt
+ Partner B: 500€ Elterngeld
+ Kind: 200€ Kindergeld
= 2.600€ Haushaltsnettoeinkommen

 

Ein Gebiet mit zwei Haushalten

3-Personen-Familie mit einem Partner in Elternzeit:
Partner A: 1.900€ Netto-Gehalt
+ Partner B: 500€ Elterngeld
+ Kind: 200€ Kindergeld
= 2.600€ Haushaltsnettoeinkommen

1-Personen Rentnerhaushalt
= 1.000€ Netto-Rente

Haushaltsnettoinkommen für dieses Gebiet
Haushalt A: 2.600€
Haushalt B: 1.000€
Ø = (2.600€ + 1.000€) : 2 = 1.800€ Haushaltsnettoeinkommen

Bruttomonatsverdienst

Erklärung

= Durchschnittsverdienst aller Gehälter im Jahresmittel

Problem: Nicht inbegriffen: sind Selbstständige, Geringverdiener, Nebenjobber. Die Werte werden nur anhand von Vollzeitstellen ermittelt, was der Realität des Arbeitsmarkts drastisch zuwider läuft.

Bruttolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer

Erklärung

= alle durch die Arbeitgeber gezahlten Geld- und –Sachleistungen vor Abzug der Lohnsteuer und Sozialbeiträge der Arbeitnehmer geteilt durch die Anzahl der Personen, die zeitlich überwiegend als in Beschäftigung stehend gelten. (Arbeiter, Angestellte, Beamte, Wehr- oder Zivildienstleistende, Auszubildende, Praktikanten, geringfügig Beschäftigte, kurzfristig Beschäftigte, Ein-Euro-Jobber, usw.)

Problem: Sozialleistungen wie Renten oder Elterngeld werden als Einnahmen nicht berücksichtigt.

fiktives Rechenbeispiel

Grundschullehrer/in: 45.000€ Brutto-Jahresgehalt
+ Metallbearbeiter/in: 31.000€ Brutto-Jahresgehalt
+ Altenpflegefachkraft: 29.000€ Brutto-Jahresgehalt
+ Minijobber: 5.400€ Brutto-Jahresgehalt
+ Bufdi: 5.000€ Taschengeld im Jahr
= 115.400€ : 5 Beschäftigte
= 23.080€ Jahres-Brutto-Gehalt je Arbeitnehmer

Primäreinkommen (privater Haushalte)

Erklärung

= Einkommen aus Erwerbstätigkeit und Vermögen

  • zusammengesetzt aus: Arbeitnehmerentgelt (= Bruttolöhne und -gehälter + Sozialbeiträge der Arbeitgeber), Einkommen Einzelunternehmer und Selbstständige, Betriebsüberschuss aus der Produktion von Dienstleistungen, allgemeinen positiven Saldo aus empfangenen und geleisteten Vermögenseinkommen

Problem: Brutto-Angaben geben keine Auskunft über tatsächlich zur Verfügung stehende Finanzen.

fiktives Rechenbeispiel

2-Personen-Haushalt, Angestellte + Kind:
40.000€ Brutto-Lohn
+ 10.000€ Sozialbeiträge des Arbeitgebers
+ 5.000€ Zinserträge aus Sparanlage
= 55.000€ Primäreinkommen des Haushaltes im Jahr

Verfügbares Einkommen (privater Haushalte je Einwohner)

Erklärung

auch Pro-Kopf-Einkommen genannt

= entspricht Einkommen, das privaten Haushalten zufließt, welches für Konsum- und Sparzwecke verwendet werden kann

  • beinhaltet: Primäreinkommen (abzgl. Sozialbeiträge, Lohn- und Einkommensteuer, usw.), zzgl. bezogene monetäre Sozialtransfers (Renten, Eltern- und Kindergeld, Sozialhilfe, Zahlungen der Krankenversicherungen etc.)

fiktives Rechenbeispiel

2-Personen-Haushalt, Angestellte + Kind:
55.000€ Primäreinkommen (siehe Beispiel Primäreinkommen)
+ 2.500 Kindergeld
- abzgl. 10.000€ Sozialbeiträge des Arbeitgebers
- abzgl. 15.000€ Steuern und Sozialabgaben des Arbeitnehmers
- abzgl. 1.000€ Steuern auf Kapitalerträge
- abzgl. 500€ Kfz-Steuer
= 31.000€
: 2 Bewohner des Haushalts
= 15.500€ Verfügbares Einkommen des privaten Haushalts je Einwohner

 

Medianeinkommen (auch mittleres Einkommen)

Erklärung

= die zu betrachtenden Personen werden entsprechend ihres Einkommens der Größe nach sortiert. Das Einkommen der genau in der Mitte stehenden Person ist das Medianeinkommen.

  • es zeigt, was die eine Hälfte der Personengruppe höchstens und die andere Hälfte mindestens verdient

  • die Messgröße ist robuster gegenüber statistischen Ausreißern (Spitzenverdiener) und unterscheidet sich deshalb vom arithmetischen Mittelwert (Durchschnitt)

fiktives Rechenbeispiel

sortierte Netto-Einkommen:
1.000€
1.000€
2.000€
5.000€
6.000€

Das Medianeinkommen (netto) liegt bei 2.000€. Im Gegensatz zum Durchschnitt, der bei 3.000€ liegen würde.

Wer soll da noch durchsehen? Presseberichte und Analysen beziehen sich oftmals auf das Haushaltsnettoeinkommen oder das Bruttomonatseinkommen. Das statistische Landesamt sieht hingegen das Verfügbare Einkommen als besten Indikator an, um die Einkommenssituation aussagekräftig darzustellen. Denn es zeigt, welcher Betrag überhaupt für Konsum- und Sparzwecke verwendet werden kann. [1]

Es muss also immer kritisch hinterfragt werden, welche Einkommenskennzahl zur Analyse herangezogen wird, um diese adäquat zu interpretieren.

2. Das Einkommen muss immer in Relation zur Region gesetzt werden

Beschränken wir uns, der Empfehlung des statistischen Landesamtes folgend, auf das Verfügbare Einkommen. Dieses betrachtet, vereinfacht gesagt, die Haupteinnahmequellen, von denen Pflichtabgaben abgezogen werden. Das Pro-Kopf-Einkommen bricht diese Kennzahl auf die Einwohnerzahl der jeweiligen Gebietskulisse herunter – also beispielsweise auf die Einwohnerzahl von Deutschland, Sachsen oder des Erzgebirgskreises. Zur richtigen Interpretation muss die entsprechende Kennzahl also immer in den Vergleich mit anderen Regionen gesetzt werden.

Das Verfügbare Einkommen im Erzgebirgskreis im Vergleich

Im Jahr 2016 – das aktuellste Berichtsjahr – lag dieser Berechnung zufolge das Verfügbare Einkommen im Erzgebirgskreis bei 19.216€ je Einwohner. Zum Vergleich: [1]

 

  • Der sächsischen Durchschnittswert liegt bei 19.191€.

  • Das Schlusslicht in Sachsen bildet die kreisfreie Stadt Leipzig mit 17.770€.

  • Der Landkreis Leipzig hingegen ist Spitzenreiter im Freistaat mit 20.438€.

Das ist insofern nicht verwunderlich, da das Verfügbare Einkommen pro Kopf von der Bevölkerungszusammensetzung im jeweiligen Gebiet beeinflusst wird: So leben in der Stadt Leipzig vergleichsweise viele Studenten, deren Primäreinkommen durch Studentenjobs oder Bafög relativ geringer ist. Dem gegenüber steht im Erzgebirgskreis durch die demografische Entwicklung aber eine stetig steigende Anzahl von Rentnern, deren Rente im Vergleich zu den Erwerbstätigen ebenfalls niedriger ausfällt.

Eine weitere strukturelle Besonderheit ländlicher Regionen und des Erzgebirges ist der Einfluss des Nahpendlerverhaltens: Einige Berufsgruppen können nur in zentralen Dienstleistungs- und Verwaltungseinheiten tätig sein, die in Großstädten angesiedelt sind. Dazu gehören beispielsweise Bundes- oder Landesbehörden, Verwaltungszentren von Krankenkassen, regionale Energieversorger, Konzern-Standorte oder Prüfgesellschaften. Hier werden zumeist überdurchschnittlich hohe Gehälter gezahlt. So pendeln Menschen, die die Vorzüge des Lebens und Wohnens im Erzgebirge nutzen möchten, zum Arbeiten in den entsprechenden Tätigkeitsfeldern in nahgelegene (Groß-) Städte wie Chemnitz, Dresden oder Zwickau. Sie bringen ihr Einkommen aber mit in die Erzgebirgsregion, wovon diese profitiert. Auch dieser Effekt fließt in die Kennzahl des Verfügbaren Pro-Kopf-Einkommens ein.

Im gesamtdeutschen Vergleich ergibt sich folgendes Bild: [1]

  • Der gesamtdeutsche Durchschnittswert liegt bei 21.919€.

  • Das Verfügbare Einkommen je Einwohner in den neuen Ländern (ohne Berlin) liegt bei 18.986€.

  • Das bundesweite Schlusslicht ist Gelsenkirchen mit 16.203€.

  • Das höchste Pro-Kopf-Einkommen in Deutschland hat der Landkreis Starnberg mit 34.987€.

 

Auch in der bundesweiten Betrachtung zeigt sich, dass das Verfügbare Pro-Kopf-Einkommen durch die Bevölkerungsstruktur einer Region beeinflusst wird. So leben am Starnberger See besonders viele Millionäre.[2] Unter Beachtung dieser Besonderheiten ermöglicht die Kennzahl dennoch eine gewisse regionale Vergleichbarkeit.

Das verfügbare Einkommen privater Haushalte je Einwohner zeigt: Das Erzgebirge ist weder Schlusslicht beim Einkommen noch die sogenannte „ärmste Region Deutschlands“. Das Pro-Kopf-Einkommen liegt über dem sächsischen und dem ostdeutschen Durchschnitt. Allerdings ist es vom gesamtdeutschen Durchschnitt spürbar entfernt, wenngleich hier vielmehr die strukturellen Unterschiede zwischen neuen und alten Bundesländern maßgeblich sind.

3. Das Einkommen im Erzgebirge muss in seiner zeitlichen Entwicklung betrachtet werden

Besonders interessant ist nicht nur die Betrachtung der derzeit aktuellsten Werte, sondern auch der Entwicklung des Verfügbaren Einkommens privater Haushalte je Einwohner. So hat dieses in den vergangenen 10 Jahren im Erzgebirgskreis um mehr als 25 % zugelegt.

2007 lag das Pro-Kopf-Einkommen im Erzgebirgskreis noch bei 15.159€, 2011 bereits bei 16.693€ und nochmal fünf Jahre später bei 19.216€.[1] Damit lässt sich in der Region ein stetiger Anstieg erkennen, der einem durchschnittlichen jährlichen Zuwachs von 2,4 % entspricht. Im Jahr 2016 hatte der Erzgebirgskreis sogar den sachsenweit höchsten prozentualen Anstieg beim Pro-Kopf-Einkommen im Vergleich zum Vorjahr mit 3,9 %.[1]

Zwischen 2007 und 2016 ist das bundesweite Verfügbare Pro-Kopf-Einkommen insgesamt um knapp 18 %, bzw. pro Jahr im Durchschnitt um 1,7 % gewachsen. In den neuen Bundesländern (ohne Berlin) betrug die Gesamtsteigerung in den genannten 10 Jahren ungefähr 23 %, pro Jahr durchschnittlich etwa 2 %.

relative Entwicklung des Verfügbaren Pro-Kopf-Einkommens
in 10 Jahren
insgesamt
relative Entwicklung des Verfügbaren Pro-Kopf-Einkommens
in 10 Jahren
Ø pro Jahr
Deutschland 17,8 % 1,65 %
Neue Bundesländern (ohne Berlin) 22,6 % 2,06 %
Sachsen 21,2 % 1,94 %
Erzgebirgskreis 26,8 % 2,40 %

Obwohl relative Steigerungen natürlich immer ein Stück weit vom Ausgangsniveau beeinflusst werden zeigt diese Betrachtung: Für das Erzgebirge lassen sich im regionalen zeitlichen Vergleich starke positive Veränderungen feststellen. Wenngleich im absoluten Verfügbare Pro-Kopf-Einkommen weiterhin Luft nach oben ist, muss sich die Region aufgrund der Dynamik und des positiven Trends nicht verstecken. Dies bestätigt auch eine umfangreiche Analyse von welt.de aus August 2019.

4. Der Bewertung des Einkommens müssen die Lebenshaltungskosten gegenüber gestellt werden

Welche Faktoren stehen dem Einkommen gegenüber? Wie sieht es zum Beispiel mit den Mietpreisen oder der Kinderbetreuung aus? Bleibt unter dem Strich doch mehr übrig, als es von außen scheint?

Das Verfügbare Einkommen zeigt an, welcher Betrag für Konsum- und Sparzwecke verwendet werden kann. Im Erzgebirgskreis lag es 2016 pro Kopf bei 19.216€, im gesamtdeutschen Durchschnitt bei 21.919€ – also zirka 2.700€ pro Jahr höher. Können geringere Lebenshaltungskosten diese Differenz ausgleichen? Natürlich kostet ein Auto oder der Einkauf im Supermarkt nicht weniger als in Hochlohnregionen. Dennoch ist der Erzgebirgskreis unter den Regionen mit dem insgesamt niedrigsten Preisniveau auf Platz 3. Hier liegen die Preise 8 % unter dem Bundesdurchschnitt. München beispielsweise liegt 23 % darüber.[11]

Bei den folgenden Lebenshaltungskosten und Konsumausgaben lässt sich das anschaulich darstellen.

Wohnkosten

Betrachtet man die Struktur privater Konsumausgaben in Deutschland, so sind mit 36 % die Wohnkosten und Energiekosten der größte Ausgabenposten bei den Lebenshaltungskosten.[3] Sie haben also den größten Einfluss auf die Lebenshaltungskosten und damit auf das, wofür das Verfügbare Einkommen investiert wird.

Im Erzgebirgskreis liegt der Mietpreis – je nach Quelle[4] – bei etwas unter 5€ je Quadratmeter (kalt). Für Regionen mit einem hohen Verfügbaren Pro-Kopf-Einkomme finden sich folgende Werte:

Im Vergleich bezahlt man für eine 80-qm-Wohnung im Erzgebirge gegenüber einer Wohnung in München pro Jahr 12.480€ im Jahr weniger, gegenüber der Wohnung im Hochtaunus sind es immer noch 5.760€.

Auch im sächsischen Vergleich sind die Mietpreise im Erzgebirgskreis relativ günstig. So kostet der Quadratmeter in Dresden und Leipzig ca. 7,50 bis 8,50€.

Ähnliches ist auch bei den Grundstückspreisen zu beobachten. Im Durchschnitt kostet der Quadratmeter Bauland im Erzgebirgskreis 45€. In Nordrhein-Westfalen oder Bayern sind es zirka 300€ und in Baden-Württemberg über 400€.[5]

Die Basis-Wohnkosten liegen andernorts um ein vielfaches höher. Nicht umsonst  bestätigte die ZDF Deutschland-Studie, die in Zusammenarbeit mit dem Wirtschaftsforschungsunternehmen Prognos entstand, dem Erzgebirgskreis eine gute Mietpreis-Einkommens-Relation, bzw. Immobilienkaufpreis-Einkommens-Relation. Und die Studie „Wohnen und Arbeiten“ des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln zeigt, das Erzgebirge hängt München und Berlin ab – dank günstiger Mieten und hohen Beschäftigungschancen.[6]

Energiekosten

Wie bereits erwähnt, sind mit einem Anteil von 36 % die Wohnkosten und Energiekosten der größte Ausgabenposten bei den Lebenshaltungskosten.[3] Dabei sind die Energiekosten in den neuen Bundesländern größer als in den alten Bundesländern. Laut CHECK24 müssen beispielsweise Ostdeutsche Haushalte drei Prozent mehr für Strom und fünf Prozent mehr für Gas zahlen als Westdeutsche.[7] In Sachsen entspricht das monatlichen Energiekosten eines Einpersonenhaushalts von zirka 87€, in Bayern sind es 85€ und in Hessen 83€.[8] Gerechnet aufs Jahr muss ein Dreipersonenhaushalt demnach in Sachsen 72€ bzw. 144€ mehr an Energiekosten zahlen als in Bayern oder Hessen.

Kinderbetreuung

Doch nicht nur in Punkto Wohnen kann der Erzgebirgskreis überzeugen. Gerade für Familien sind Kinderbetreuungsangebote und damit in Verbindung auch die Kosten der Kinderbetreuung relevant.

Im Erzgebirgskreis stehen 7,9 Kinderbetreuungsplätze je 100 Einwohner zur Verfügung. Im deutschlandweiten Durchschnitt sind es 4,7. Für die Betreuung zahlt man im Erzgebirgskreis pro Platz fürs erste Kind in einer Kinderkrippe 190€, für den Kindergarten 105€ und für den Hort 63€. Im Vergleich dazu zahlt man in Teilen Baden-Württembergs für einen Platz in der Krippe an die 500€, in Bayern 400€ und in Hessen für den Hort ca. 200€.[5] Nicht umsonst liegt der Erzgebirgskreis in der Deutschlandstudie des ZDF 2018 bei der Ganztagsbetreuungsquote im Kindergarten und von Kleinkindern im vorderen Bereich, auf Platz 60 und 71 von insgesamt 401 Kreisen und kreisfreien Städten der Bundesrepublik.[9] Gerechnet aufs Jahr macht das bei einem Krippenkind 2.520€ Ersparnis im Erzgebirge gegenüber Bayern.

Auch wenn von höheren Energiekosten in Sachsen und im Erzgebirge auszugehen ist, relativieren die absoluten Zahlen den Unterschied und werden durch die geringen Miet- und Immobilienkosten sowie Kinderbetreuungskosten deutlich kompensiert.

5. Steigende Löhne und Gehälter werden im Erzgebirge nicht von der Inflation aufgefressen

Ein weiterer Aspekt der steigenden Löhnen, Gehältern und Einkommen gegenübersteht, sind Preissteigerungen. Im Allgemeinen werden diese in der Inflationsrate (Verbraucherpreisinflation) auf Basis des Verbraucherpreisindex beschrieben. Da es hierfür kaum regionale Daten über die vergangenen 10 Jahre gibt, werden die sächsischen Jahresteuerungsraten zur Referenz herangezogen.[10]

Sachsen, Jahresdurchschnitt Verbraucherpreisindex
Veränderung zum Vorjahr
Erzgebirgskreis, Verfügbares Einkommen
Veränderung zum Vorjahr
2007 + 2,6 % + 2,1 %
2008 + 2,6 % + 3,3 %
2009 + 0,3 % + 2,1 %
2010 + 1,1 % + 1,7 %
2011 + 2,0 % + 2,7 %
2012 + 1,9 % + 2,8 %
2013 + 1,7 % + 1,8 %
2014 + 0,9 % + 2,5 %
2015 + 0,7 % + 3,2 %
2016 + 0,5 % + 3,9 %
GESAMT + 14,3 % + 26 %

Auch wenn die Größen nicht hundertprozentig vergleichbar sind, unterstreicht die Gegenüberstellung, dass das steigende Verfügbare Einkommen nicht durch steigende Lebenshaltungskosten „aufgefressen“ wird.

Einkommen im Erzgebirge – es geht vorwERZ

Die verschiedenen Kennzahlen zur Einkommensbetrachtung zeigen eines deutlich: In den vergangenen Jahren haben sich die Löhne, Gehälter und Einkommen in der Region deutlich, ja sogar überdurchschnittlich nach oben entwickelt. Da die Statistiken oft erst 2 bis 3 Jahre später vorliegen, ist das dargestellte Bild bereits von der Gegenwart eingeholt worden.

Die sinkende Arbeitslosigkeit auf zuletzt 4,7 % im Jahr 2018 ist jedoch nicht ausschließlich auf die demografische Entwicklung zurückzuführen. Auch die wirtschaftlich äußerst positive Entwicklung in der Erzgebirgsregion sorgte dafür, dass mehr Arbeitsplätze entstehen, wie die Anzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Erzgebirgskreis unterstreicht.

Mit Blick auf diese Arbeitsmarkentwicklung, die nicht zuletzt in der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Region begründet ist, und vor dem Hintergrund des demografischen Wandels ist absehbar, dass der Wettbewerbsdruck um die Arbeitnehmer im Erzgebirge zukünftig steigt. Allein dieser Aspekt wird die Einkommensentwicklung weiter positiv verstärken. Hinzu kommt, dass sich die regionale Wirtschaft immer mehr ihrer Stärken bewusst ist und Kompetenzen, Know-how und Fertigkeiten in Innovationsnetzwerken bündelt. Damit entwickeln sich Unternehmen beispielsweise weg vom klassischen Zulieferer hin zum Impulsgeber bei Produktentwicklungen, aber auch für andere Branchen. Dieser Trend ermöglicht es, eigene Dienstleistungen und Produkte gewinnbringender am Markt zu platzieren und so die Einnahmen für attraktivere Löhne und Gehälter zu erwirtschaften.

Insgesamt wird sich so in den nächsten Jahren die bereits beschrittene positive Entwicklung bei den Einkommen im Erzgebirge weiter beschleunigen.



[1] Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen: P | 6, Jahr 2016 – Verfügbares Einkommen der privaten Haushalte im Freistaat Sachsen nach kreisfreien Städten und Landkreisen

[2] deutschlandfunkkultur.de, vom 11.04.2017, „Reich, reicher, Starnberger See“

[3] Statistisches Bundesamt, abgerufen am 31.07.2019, Konsumausgaben und Lebenshaltungskosten Struktur der Konsumausgaben in den Gebietsständen, Stand 2017

[4] immowelt.de & zeit.immowelt.de, abgerufen am 02.08.2019, Mietspiegel

[5] eigene Recherchen und Berechnungen

[6] Institut der Deutschen Wirtschaft, abgerufen am 29.03.2019, Studie „Wohnen und Arbeiten in Deutschland“, Stand 2018

[7] Presseportal.de, abgerufen am 02.08.2019, Pressemeldung CHECK24 GmbH „Belastung durch Energiekosten im Osten Deutschlands größer als im Westen“, Stand 2018

[8] check24.de, abgerufen am 02.08.2019, Energiekosten 2018, Stand 2018

[9] Zweites Deutsches Fernsehen, abgerufen am 15.03.2019, Die große Deutschland-Studie, Stand 2018

[10] Statistisches Landesamt Sachsen, abgerufen am 13.08.2019, Verbraucherpreisindex, Stand 2019

[11] Spiegel Online, abgerufen am 29.08.2019, auf Basis von Daten des Forschungsdatenzentrums (Mikrodaten Mikrozensus 2016), BBSR, Institut der deutschen Wirtschaft